Band 
[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
Seite
171
JPEG-Download
 

171

Verlustes ist, und derselbe endlich so ganz in seiner Gilde versinkt,daß er bei der Taufe seines Sohnes dem Prediger, der nach demNamen fragt, mechanisch antwortet: Baumann et Compagnie; undein diensteifriger Buchhalter, der vielleicht schon 50 Jahre im Comp-toir saß, eilte bei dem Tode seines Prinzipals, der Vormittags nocheinige Dutzend Briefe geschrieben hatte, dann aber vom Schlag ge-rührt wurde, an den Pult des Verblichenen und sehte unter alle jeneBriefe noch die Nachschrift: „Auch melde ich, daß ich um 2 Uhr Nach-mittags mit Tod abgegangen bin."

Geld ist einmal das zweite Ich des Kaufmanns, und es wäreverzeihlich, wenn es nur nicht auch in der Welt sein besseres Ichwäre. Ein guter Wechsel ist unter allen Schriften die interessanteste;der echte Kaufmann zahlt keinen Wechsel nur acht Tage früher, alsdie Verfallzeit, trotz allein Bitten, wovon ich selbst ein komisches Bei-spiel habe, und borgt dem Freunde nichts ohne Wechselchen, dennUusinoss viii bs elons in a rsxular > d. h. Handel leidet keineFreundschaft. A. Smith in seinem trefflichen Werke über den Natio-nalreichthum fängt damit an, daß er ein eigenes Princip des Men-schen festsetzt, das Tauschprincip; und in der That, trotz aller Uneinig-keiten und Streitigkeiten der Philosophen über die Principien derMoral, ist der Kaufmann allein im Reinen mit seinem Tauschprincip.„Rechte Wage, rechte Pfunde, rechte Scheffel, rechte Kannen," sprichtder Herr, sie aber sprechen: Sind wir denn Jsraeliten, die der Herraus Aegyptenlaud geführt hat? Handelsgeist ist im Grunde so unge-sellig, wie der alte Adelsgeist; die Käufer sondern sich ab durch ihrGeschäft, wie die alten Ritterburgen durch Zugbrücken.

Holländer traten einst in China und Japan das Kreuz mit Füßen;„wir sind Holländer, keine Christen, Holländer sind wir, d. h. Kauf-leute." Redlichkeit herrschte noch, da man nichts als deutsche Kerb-hölzer kannte, wobei ich meiner Knabenzeit gedenke, wenn ich meinemVater eine Maß Bier aus dem Hofkellcr holen mußte; der Keller-meister bemerkte sie auf sein und mein Kerbholz. Diese Einfachheitverschwand mit den italienischen Handelsbüchern, und was konnte mannicht erst lernen bei den trügerischen Sinesen? In der guten altenZeit sah der Handelsherr einen Landsitz au als das Ziel seiner Sorgenund Arbeiten und als die Ruhestätte seiner alten Tage; jetzt fangenviele gleich damit an, und was folgt? bauoo rotte». Was thuts? mankaun ja drei- bis viermal die Bank brechen; wir haben keine Schuld-l Geschäft- müssen in regelmäßiger Weise abgemacht werden.