Veredlung der Naturprodukte verdanken, verdanken wir auch unsereBequemlichkeiten und Vergnügungen; sie führt keine Jahrbücher überihre Entdeckungen wie Gelehrte, und daher haben wir noch keine Ge-schichte der Künste des Lebens, wofür ich hundert Geschichten derLiteratur hingeben könnte. Im Grunde hat auch die Technik dieKultur weiter gebracht als die Wissenschaften, wenigstens Prakti-scher der Menschheit genützt. Italien verdankt seine Künste demMorgenlande; Nürnberg, Augsburg und die Niederlande Italien,dann erst erwachten sie im eigentlichen Holland, in England undFrankreich und mein Vaterland hielt sich recht löblich stets mehr an dieGegenstände des Bedürfnisses und der Bequemlichkeit, als an die desLuxus. Das Alterthum errichtete der Ceres und dem Bacchus Altäre,wahrlich dem ersten Weber gebützffe kein geringerer Altar. Frank-reich hatte viele Denkmäler, aber Franz Traukat verdiente ein Denk-mal eher als viele seiner Könige, denn er pflanzte 1564 den erstenMaulbeerbanm, der wenigstens eine Million Franzosen ernährt.
Im Alterthum waren die Handwerker Sklaven; selbst Gelehrte,mit der schwersten aller geistigen Verrichtungen, der Erziehung, be-laden, waren oft Sklaven; bei uns ist der Handwerker persönlich frei,und der Schuster kann seine Kunden aus der Werkstätte jagen, wieApelles Alexander und den krittelnden Schuster. Und was sind unsereHandwerksburschentumulte gegen die Empörungen der Sklaven in deralten Welt? Der freie Handwerker verfeinert sein Gewerbe, denn erverfeinert es für sich; im Alterthum aber schämte sich der Freie, daszu treiben, was Sklaven trieben, und wurde darüber faul und arm —der erste Schritt zum Verderben des Staats. Der Kunstfleiß ersetztmanche Tugend, wenn er auch neue Laster erzeugt; immer besser alsMüßiggang, der weit mehr erzeugen würde und offenbar den ganzenAberglauben und Fanatismus des Mittelalters begünstigte.
Vor 8 bis 900 Jahren gab es noch keine Handwerke in unseremSinne; wen damals der Schuh drückte, der mußte ihn schon selbstüber den Leisten schlagen, und wozu Schneider? Die einfachen Klei-der der Alten lieferte das Haus, wie noch heute die Unterröckchenoder Wämmschen. Der Bauer baute sich selbst seine Hütte wie seinFeld, seinen Karren und Pflug, und sein Weib machte den Weber,Schneider, Koch und Bierbrauer, nur der Ritter, umgeben vonWaffen, in fremden Landen gefertigt oder erbeutet, schaute müßigherab von seiner Burg ins Land, seine Lanzenknechte waren seineHandwerker neben Frauen und Mägden; Wollenzeuge machten dem