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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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Jenachdem man es nimmt, treibt freilich die Mehrzahl der Ge-lehrten schon Handwerk genug; aber darum sind sie gerade schlechter,als die eigentlichen Handwerker, und es ist die Frage, ob sie so sagenkönnten, wie jener Schuster seinem wandernden Sohne: „Gehe, ausdir wird nichts, du findest keinen Meister." Der Sohn meldete: „Ichbin noch keine vier Wochen von Euch, Vater, und habe schon densechsten Meister." — „Wer gut picht und gut sticht, und zieht gut zu,macht gute Schuh." Holberg hat uns das Leben eines Schusters auf-bewahrt, nebst dem Verzeichniß seiner Werke, das manches gelehrteVerzeichniß beschämen kann; er hinterließ 8686 Werke und Werkchen,930 in Folio, Stiefel 1750 in Quart, Männerschuhe, 3600 Werke inOktav, Frauenzimmerschuhe und Pantoffeln, und gegen 2500 Duodez-werkchen, Kinderschuhe. Zu Zeiten Holbergs trat man stärker aufals jetzt, daher brauchte man mehr Leder; aber wie kommt es, daß beihöherer Kultur noch nicht allgemeine Sitte ist, für jeden Fuß seinenSchuh zu fertigen, und man beide Füße über einen Leisten schlägt?Hier sollte man gerade das Ils sutor ultrs, ersxläuiu umdrehen, aberSchuster und Nichtschuster bleiben bei ihrem Leisten: ikls sutor ultravrsxilluiu! *

Das Handwerk hat goldenen Boden. Der Geschäftsmann hängtvon der Gnade des Königs und seiner Obern ab, so lange nicht Ver-dienste die Plätze besetzen und die Tugend sie erhält, und ist wie derVogel auf dem Zweige. Der Arzt muß mehr oder weniger den Char-latau machen, wenn er gesucht werden soll, selbst noch hie und da derPrediger. Der Soldat hat nur die Wahl zwischen Held und Barbar,wie der Kaufmann zwischen Netzelegen und Wucher, d. h. ehrlicherDieberei; nur der Gewinn des Handwerkers ist frei und sicher undruhig, sollte er auch so klein sein als der der Eagnspstits, d. h. Sche-renschleifer. Der Handwerker kann ganz Mensch sein und kann als ge-meiner Mann ganz ungestraft ehrlich sein, wenn er will.

Das Handwerk hat einen goldenen Boden, worunter man aberhoffentlich das, was in Hoens einst vielgelesenem Jntriguenalmanach,vulgo Betrugslexikon, vorkommt, nicht verstehen wird, und der Ver-fasser hat, um die Profeffionisten nicht allzusehr zu beschämen, auchdie Gelehrten mitgenommen, geistliche, weltliche, Advokaten, Beamte,Aerzte, Künstler und Sprachmeister, kurz, kein Stand darf sich be-schweren, Übergängen zu sein. Der Handwerker kann zufrieden sein,i Der Schuster bleibe bei seinem Leisten.

Demokritos. XI.

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