Band 
[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
Seite
206
JPEG-Download
 

Noch Viele gehn gebückt und welkenIn Elend und in Müh,

Und Andere zerren d'ran und melkenWie an dem lieben Vieh;

Und doch ist's nicht zu defendirenUnd gar ein böser Brauch;

Die Bauern geh'n ja nicht auf Vieren,

Sie sind ja Menschen auch.

Die Zeit ist, Gott sei Dank! vorüber, wo man in der That imBauern nur ein Vieh sah, weil er neben seinem Vieh wohnte undlebte; aber lebte nicht auch der Adel mehr unter Hunden, Pferdenund Wild, als unter Menschen? Wurde nicht Christus im Stalle ge-boren zwischen Ochsen und Eseln? Sicher wäre es früher bester ge-worden, wenn die Mode die höhere Welt aus's Land geführt, sie nichtauch hier wie in der Stadt gelebt und auch sich um die Bewohner desLandes mehr bekümmert hätte; sie würde, wenn es städtischer Eigen-dünkel und Klügelei erlaubt hätten, gefunden haben, daß gerade dasLand in dem, was rein menschlich ist, klüger macht, als die Stadt,deren Bewohner in hundert Dingen ewig unmündig bleiben. VieleResidenzlcr verdienen den Namen tzuiritss: gniris hieß altlateinischder Spieß, und Quiriten altdeutsch Spießbürger, das man nicht sollteabkommen lassen, denn hier finden sich weit mehr Leutchen, als manglauben sollte, die dem Herzog von Buckingham gleichen, der keinengrößern Fluch kannte, als: ?ox! I visü ^ou voro msrrisä auä sstt-lsck in tlrs oountr^ I '

Auf dem Lande habe ich weit mehr Edles gefunden, als inStädten, und selbst unter sogenannten Edlen. Das Mitleiden mitArmen, die Sitteneinfalt, der gerade Sinn, die ungeschwächte Natur-kraft des Landes erwärmen das Herz, so wie das Zutrauen derLeute, wenn man freundlich gegen sie ist. Auf dem Lande lerntman Manches, wovon in Büchern kein Wort sieht, hört Manches,was man in der sogenannten guten Gesellschaft nie hört oderganz anders; der höhere Mensch reift nur in der Stadt und Welt,aber der glücklichere lebt wohl eher auf dem Lande; auf dem Landelernt man die Menschen lieben, in großen Städten nur verachten;man erwacht mit der Natur, und geht mit ihr zur Ruhe; auf demLande ist das ganze Jahr Musik: in der schönen Jahreszeit machensie die Vögel, die verliebten Buben und Diendeln, und im WinterSpinnrad und Dreschflegel. In Städten, so sagt man, wohnt diei Zum Henker, ich wünschte, ihr wäret verheirathet und auf dem Lande angesessen.