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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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spannt nnd überspannt. Die Kinder der Natnr in der Südsee findendie Seele in den Eingeweiden; wird der Kopf verletzt, sagen sie, ge-nesen wir dennoch wieder, nie aber, wenn jene verletzt werden, undwirken nicht Furcht oder heftige Gemüthsbewegungen zunächst aufdie Eingeweide? Ein gewisser Landprediger fand sie im Hintern, nichtweil er ländliche Ruhe liebte, sondern weil er als großer Jagdfreuudbemerkt hatte, daß alle Hasen, die er auf den Kopf traf, davon liefen,nie aber die, welche er von hinten aufs Korn genommen hatte, unddaher wollte er auch nichts von der Philosophie von Vorne (a xriori)wissen.

Soll durchaus die Seele einen Sitz haben, so sitzt sie wohl da,wo sie wirkt, überall, wo es Nerven und Nervenkräfte gibt; dieLebensgeister geistern überall, wo sie gerade nöthig sind, beim Denkerim Gehirn, beim Lüstling im Gaumen und in den Theilen, die mannicht nennt, und die Weiber gehören noch zu den besten, bei denen siebloß auf der Zunge sitzt. Soldaten müssen die Seele im Herzen undim Blute haben; wer sie in den Füßen hat, taugt höchstens zumBoten. Der Bauer hat sie in seinen Armen, der Künstler in denFingern, der Seiltänzer in den Zehen, die Schmierer haben sie bloßin ihren Federn. Jener Dicke, der an seinen Bauch schlug undschwur: „Bei meiner Seele!" zeigte den Sitz seiner Seele, aber nichtalle sind so ehrlich, und Damen habe ich nie schwören hören: „Beimeiner Seele!"

Der Nervensaft gleicht der elektrischen Materie, was aber elek-trisch ist, wissen wir so eigentlich nicht. Kein Anatom hat noch dieSeele erwischen können; was man noch erwischt hat, war höchstenseine Häringsseele, und so steht es auch mit dem Sitz der Seele, nnddie Psychologen haben sich nur lächerlich gemacht, die sich zu Quartier-meistern auswarfen, oder die Seele gar abmalen ließen, wie Come-nius in seinem Orbis Pictus, denn die Frage ist an und für sichschon lächerlich. Wenn wir unsere Füße zu sehr anstrengen, bekom-men wir müde Füße, wenn wir allzu lange und allzu stark sprechen,heisern Hals, und wenn wir zu anhaltend denken, Kopfweh; analogist also immer der sicherste Sitz der Seele der Kopf, wenn sie durch-aus eine besondere Residenz im Körper haben soll. Die Seele, sagendie Philosophen, ist untheilbar, geistig, also braucht sie gar keinenSitz, und ist in unserem Körper wie Tag und Nacht in der Natur,sie ist frei, wählt also nach Neigung, und schon der alte le Chambrefragt die Philosophen, die der Seele keine Bewegung erlauben wollen: