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VI.
Das Calembourg der Franzosen.
Wenn das Wortspiel mit Worten spielt, die nur dem Schalle nacheinerlei sind, aber nicht nach ihrem Sinne, so spielt das Calembourgein noch niedrigeres Spiel mittelst Alteration eines oder mehrererWorte, vorzüglich aber mittelst der Orthographie. Einige wollen dasWort von valamazo burlars, mit der Feder spaßen, ableiten, die Sachefällt aber leider einem deutschen Baron v. Calemberg am Hose KönigsStanislaus zu Lüneville znr Last, der so schlecht Französisch sprach,daß man seine so oft komischen Verwirrungen nach seinem Namennannte, die Herzogin von Boufflers seine Ausdrücke sammelte und demHofe zu Versailles vorlegte. Calembourgs wurden Hoftvn, folglichPariser Ton, folglich Mode- und Nationalton, selbst eine Zeitlang inEngland, jedoch meines Wissens nicht in Deutschland.
Der Prinz de Ligne war noch aus dieser Schule. Er läugnetediesen Ton selbst nicht in seinen sonst geistreichen Schriften, und daer so lange zu Wien lebte, so wundert es mich, daß die Plattheit derCalembourgs in Deutschland nicht mehr um sich gegriffen hat, viel-leicht schon darum, weil unsere feste, ernste Sprache nicht hierzu sichneigt, und gallische Sprache nur den Hähern Ständen eigen war. Dieernste Revolution that selbst in Frankreich der einfältigen Mode Ein-halt; aber Brünet scheint sie wieder geweckt zu haben, und Calcm-bourgs sind einmal echtfranzösisch und nationell. Haben ja selbst dieberühmten Encyclopädisten nöthig erachtet, das Chaos ihrer ungeheurenEncyclopädie von einigen hundert Quartanten, die in ganz Europatrotz der Oberflächlichkeit der meisten Artikel ungetheilbn Beifall fandund selbst großen politischen Einfluß hatte, mit Encyclopädianis zubeschließen von neunhundertvierundsechzig Seiten in Qnart, d. h. mrtLonmots und kointss, mit tzuocktibets, llurlupinalles und Rebus, mrtOuseommäss und ^.ilsguiuuäss und Oogs ü 1'üus, ^ und Allem,was man am besten unter dem Gesammtwort Ana begreift.
Hn'avee äs tu meiuoire, Oswou uous uxprit,tzu'L xsu äs frais un Las nvnit äs I'esxritsd
1 Witzwort, Spitzen, Abgeschmacktheiten, Witzeleien, Zweideutigkeiten, Aufschneidereien,Hanswurstiaden, Ungereimtheiten.
2 Dämon hat uns gezeigt, daß mit Gedächtniß manAls Esel auch für witzig gelten kann.