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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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sterbliche Mcki^re, ist er nicht halb Posse? Nichts ist'der Zeit undder Veränderung der Sitten so sehr unterworfen, als das Komische;aber lacht ncht noch heute das Parterre, wenn seine Klystier-spritzeaufs Theate- kommt?

Der WH der Posse ist doch gar zu niedrig, sagt man, und cS istrichtig; aber wenn man nun doch dabei lächeln kann? Wenn die Posseein treffendes Sittengemälde ist, wenn sie hervorstechende, schädlicheThorheiten >cr Zeit geißelt, wozu gerade kunstreiche Anlage des Plans,oder gar die alten komischen drei Einheiten der Aesthetiker? mau kannnur die Achsln Zucken. Die besten Ungereimtheiten sind die, hinterwelchen etwas Vernünftiges steckt, und selbst das Schlechteste, das bloßscheinbar Vemnnftige, das bei Lichte besehen dummes Zeug ist, machtes nicht gcrMe dadurch lachen? Extradnmm ist auch schön; übrigensist es gut, laß man auS Possen meist Operetten macht; so könnendoch die Kriiker sie mit Ehren sehen, lachen, und dann die Mieneannehmen, inß sie nur aus Verachtung lachen und lediglich gekommenseien wegen wr Musik.

Es ist Schade, daß mannn dramatisch-komischen Fache Alles, wassich unter kene andere Klasse bringen läßt, mit dem Namen Possestempelt, al- einem Freibriefe zu den tollsten und ungereimtestenDingen, unk daß man zu vergessen scheint, daß selbst die Posse ihreGrenze Haber müsse. Die Posse sollte nie ganz aus dem Gebiete desWahrscheinlihen hinausschreiten in das abenteuerliche Gebiet der Feen-märchen, wmn gleich ihr Gegenstand Widersinnigkeit und ihr Hülfs-mittel Uebera-eibung ist. Ihre Wirkung ist bloß auf das körperlicheäußere Lacher berechnet, das innere geistige Lachen aber dem ediernKomischen virbehalten, das leider schwieriger ist. Wer gibt uns einegute Theorie der Posse? — Kotzebuc wäre der Mann gewesen.

Posse urd Lustspiel unterscheiden sich hauptsächlich dadurch voneinander, das jenes Lachen erregt auf Kosten der poetischen Wahrheit,die für dieses unverletzliches Gesetz ist. In der Posse flattert diePhantasie, wie im Märchen, dreist hin über alles von der ErfahrungGegebene, selbst über das Mögliche hinaus; im Lustspiel und in derkomischen Erzählung muß sie sich in der Grenze der Wahrscheinlichkeithalten. In der Posse kann neben der niedern Natur selbst die hoheerscheinen, fortgerissen vom Strudel und verwickelt in Widersprüche,welche die wrnkende Menschennatur in ihrer Lächerlichkeit zeigen. Inder Posse muß das Lächerliche aus der Albernheit hervorgehen, die sichauch wohl Kluge und Verständige bisweilen zu Schulden kommen