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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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natürliche schwarze Haare im reichsten Maße angeklebt sind? Dafüraber ließ eine Fürstin zu Wien den Meisterwerken des FranceschiniHemden anmalen, wie Cardinal Doria seinen Antiken gar Hosen vonGyps, was vielleicht in Italien nicht unnöthig war; aber Panl IV., ließ dnrch Volterra auch mit feinem Tuche aufwarten, daher SalvatorRosa dem Maler den Spitznamen Hosenmacher gab. Gar Viele gebeneine» zarten Abscheu vor dem Nackten in der Kunst zu erkennen, diesolches gerade am meisten lieben in natnra, und man kennt im heißenSüden wirklich mißbrauchten Marmor.

Es ist mehr als Fabel, daß ein Spanier an dem mehr als rei-zenden Bilde der Religion auf dem Grabe Papst Urbans VIII. dasthat, was Plinius (36. 5.) von der gnidischen Venus und dem Cupidosagt. Seit diesem Gräuel tragt die Religion ein Hemd von Bronze,das jedoch abgenommen werden kann- Ich begreife die Möglichkeit derSache, seit mich käiltern Deutschen die capitolinische Venus zu Parisweit lieblicher angeblickt hat, als die Religion oder die Venus Uraniaoder mediceische Venus. Nie verließ ich den Antikensaal, ohne derhohen Capitolina mein Compliment zu machen, und das erste Malmußte man mir sagen, es sei Zeit, fortzugehen.

Nacktheit ist eigentlich nicht obscön; Mutter Natur bringt unseinmal mntterfaselnackt zur Welt, und wo nicht rauhes Klima Be-deckung nöthig macht, gehen noch heute die Kinder der Natur nackt; imrauhen Klima wird sie aber nothwendig, ja bei fortschreitender Kulturselbst zur moralischen Nothwendigkeit, und nur die Kunst kann sagen:„den Reinen ist Alles rein," ohne an unreine Phantasien zu denken,und macht höchstens grüne Vorhänge in den Gemäldegallerien odervor Canova's Amor und Psyche. Nur die Entblößung ist obscön, woBekleidung ist, und gewisse Nuditäten würden so wenig Begierdenerregen, als Nase, Augen und Ohren, wären sie nicht verdeckt. Diemediceische Venus wird nur dann erst zur Venus vulZivagi-, wennman ihr, wie eine muthwillige Pariserin that, ein Tuch in die untereHand gibt, womit sie die gefährliche Stelle zu bedecken sucht; sie wirddadurch in weit höherem Grade gefährlich, als die Venus Callipygos,die über die Achsel hinweg ihren schönen Hintern betrachtet, der fürviele Südländer wichtiger ist, als die kriora, den Kantlingen, undmeines Erachtens in künstlerischer Rücksicht auch mehr Schönes bietetals die kriorn.

Eine Dentschin wurde staunen, wenn sie die Damen von Florenzund Rom, gewöhnt an den Anblick der Kunstwerke, die Nuditäten der