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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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bei ihnen spukten auch noch die vier letzten Dinge. Die Thieremacht nur die Gegenwart glücklich oder unglücklich, den Menschen dieGegenwart, Zukunft und Vergangenheit, und nun fügten die Sacro-Sancti noch die schrecklichste Potenz bei — die Ewigkeit. Die Sündeist das älteste aller Freudenmädchen und die Mutter des Todes; derTod aber der Sünde Sold; seine Mithelfer der Teufel, Aerzte undKoche. Und nun kamen noch die Schwarzen und verdarben uns denTag, wie die Kindcrwärtcrinnen die Nacht durch Gespenstermährchcn,exegisirten Heil und Seligkeit von der Erde hinweg in den Himmel,fabelten von den vier letzten Dingen und verdreifachten den einfachenzeitlichen Tod noch mit einem geistigen und ewigen. Wäre dieGottheit wie der Gott der Theologen und des melancholischen Hallers,wer möchte Mensch sein?

Die schwarze Theologenlehre machte, daß jener Todte, der denheiligen Bruno in die erste Karthause jagte, sich dreimal vor demHochaltar, wo fromme Gebete für seine arme Seele gehalten wurden,aus dem Sarge erhob und ausrief: „Ich bin angeklagt!" das zweiteMal: „Ich bin gerichtet!" und das dritte Mal: „Ich bin verdammt!"und so erschütterte auch einst der melancholische Maler Piero de Cvsimozur Zeit des Carnevals ganz Florenz mit einer Mummerei des Todesund sprengte Alles vor Schrecken auseinander. In der ausgelassen-sten Nacht näherte sich schwer und langsam ein großer, schwarzerWagen mit Todteugebeinen und weißen Kreuzen, gezogen von vierschwarzen Büffeln, und oben darauf saß der Tod in kolossaler Größe,eine Menge Särge zu seinen Füßen. Der Wagen hielt mitten imHaufen, aus den Särgen erhoben sich weiße Gerippe mit halbem Leibeund erfüllten die Luft mit finstern hohlen Gesängen, begleitet vonentfernten Hörnertönen, und vor und hinter dem Wagen drängtensich Todesgestalten auf hagern Pferden, mit Fackeln und schwarzenFahnen; m Prozession schlich der Zug weiter, das ganze Todtenheersang mit dumpfer, bebender Stimme Bußpsalmen und verschwandin der Nacht. Das schauerlichste und zugleich schönste Gemälde desTodes ist wohl Wests großes Bild: „Der Tod auf dem fahlen Pferde"(nach der Apokalypse), woraus zehntausend Pfund geboten sind.

Warum das unvermeidliche Schicksal, vor dem die Natur erbebt,,auch noch mit den Schrecknissen der Einbildungskraft und durch Kunstnoch schreckbarer machen? Warum durch den Tod, der den Leib tödtet,auch noch die Seele tödten lassen, geistig und ewig? Ist nicht schonder einfache, zeitliche Tod mehr als genug? Und seufzt nicht Jeder