Band 
[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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letzten Augenblicken: „Alles, was Lucian in seinen Todtengesprächenzu Charon sagt, um Aufschub zu erhalten, paßt nicht auf mich; höch-stens könnte ich entgegnen: Ich habe eine verbesserte Ausgabe meinerWerke vor, laß mir noch Zeit, zu sehen, wie sie das Publikum auf-nimmt; aber Charon würde erwidern: Lieber Freund, du würdest niefertig werden, an deinen Werken zu seilen, packe dich in den Nachen!"

Wer kann dem Knochenmanne Unrecht geben? Der Vater, dernur noch so lange zu leben wünscht, bis seine Kinder versorgt sind,wird Großvater; nun möchte der Großvater auch die Enkel versorgtsehen, der Urgroßvater die Urenkel; der Tod bekäme nichts, gar nichts,wenn er nicht grob und saus ka^on ^ wäre, als etwa einige finstere,ungenießbare Selbstmörder. Es würde Leute geben, die nach zweibis dreitausend Jahren noch nicht fort wollten, und sicherlich gäbe esgar keine Erbprinzen. Gott müßte entweder die Erde vergrößern oderdie Fortpflanzung verbieten, was wieder den Wenigsten recht seinwürde. Nehmen wir z. B. 1500 Jahre als Lebensalter des Menschen,und sieben Achtel davon zur Fortpflanzung, so bliebe auf der Erdefür Jeden kaum ein Quadratschuh. — Welche Folgen! Wie gut,daß es Tod und Krankheiten, Aerzte und Köche, Weiber und Wein,Soldaten und Henker gibt!

Mauvillon, dessen Leben eine witzige, lustige Gesellschaft war, derim Schlaf laut auflachte über Einfälle, die er gehört oder selbst ge-habt hatte, der sich bloß darum eine Frau beilegte, weil er sah, wieviele Feinde ihm seine Einfälle zuzogen, um solche unbeschadet bei ihranbringen zu können; Mauvillon, der bei einem armseligen Körper-chen und' unter nichts weniger als glücklichen Verhältnissen eine solcheLebenslust hatte, daß er sich um den Preis von tausend Lebensjahrengern beide Hände und Füße wollte abschneiden lassen (was ich mireben nicht wünsche, wohl aber nach tausend Jahren eine kleine Vakanz,wäre es auch nur für vierzehn Tage) — eine Lebenslust beinahe wieder große Mann der großen Nation — Mauvillon verlangte in seinemTestamente, daß Niemand zu seiner Beerdigung gebeten werden sollte,als diejenigen, die sich über seinen Tod freuten. So sagte der ster-bende Scarron den Umstehenden: „Ihr werdet lange nicht so viel übermich weinen, als ihr über mich gelacht habt," und diese Vorstellungerheiterte ihn mit Recht. Im Klosteranzuge sterben, ist thöricht. UnserLeben ist Freud und Leid, Ebbe und Flut, und so geziemt es auchder weinerlichen Komödie, die wir hienieden spielen. Der Krieger1 Ohne Umstände.