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[Elfter Band. - Zwölfter Band.]
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folgen als dem letzten unbekannten Freunde, wenn nur das Stünd-lein so kurz als möglich ist. Werfe mich nur nicht, oder wenigstensnicht lange, hinter die Vorhänge des Krankenbettes, in Qualen, Fie-ber, Gicht und Schwindsucht. Der purpurne Tod Homers, um denWaffen raffeln, und der blaßblaue stille Kammertod, beide umhüllendie Angen mit Nacht, beide sind grauses Verhängniß; doch nicht mein,sondern dein Wille geschehe! Du weißt, daß ich von Aerzten denke,wie von Theologen und das ?unotum zuris ist in seiner Richtigkeit;ich hinterlasse bloß lachende Erben, die das, was für die Erlaubniß,todt sein zu dürfen, verlangt wird, gern entrichten werden, und ichselbst habe zwar nicht an die Heiligen, aber an den Heiligen gedacht.Ich hätte daher lieber den Tod in Uniform vor mir gesehen, als imSchlafrock; aber es hat nicht so sein sollen, also nur so geschwinde,als es eben sein kann.

Lieber Hain, ich denke mir deinen Besuch so leicht zu machen, alses bei dem ersten und letzten Besuch eines Unbekannten möglich ist;mein Haus ist bestellt, meine Posthuma, die mir vielleicht bald nach-folgen werden, geordnet. Ich habe den Wunsch des großen Friedrichs,meines Lieblings unter den Königen, staute gelle (psue) morst ' aberauch den Wunsch der und ^ meiner lieben Griechen,

die ich dorten eher aufsuchen werde als die Heiligen. Wie Ovidwünsche ich nicht zu sterben, so stirbt jeder Auerhahn, und wenn Libi-tina vor dem Lager steht, ist keine Zeit, an Corinna ° zu denken (Luw-rum 11, 10). Bedenke, lieber Tod, bedenke, daß ich weder Frau nochKinder habe, die mich Pflegen und warten, und hole mich, wenn esdir gefällt, bevor ich die äußerste Grenze des Lebens erreiche, schwach,grämlich und hinfällig, mir und Andern zur Last werde, kurz, wie ge-beten, Knall und Fall. Ich werde mit Simon zu dir sagen: „Herr,nun lässest du deinen Diener im Frieden fahren!" Ich hoffe, daßunser Dasein nur die Einleitung zu einem größer« bessern Werke seinsoll, und bin deßhalb, wenn sich dieses Leben schließt, wie mein Kapitel,auf das nichts weiter folgt, entschlossen, in den Sarg zu steigen, denFreund Hain öffnet, sowie ich es an dem Grabmal des Marschallsvon Sachsen zu Straßburg abgemerkt habe, die hohen Worte aus-rufend : „Es ist vollbracht!"

Ich habe einige Freunde, von denen ich glaube, daß sie mich nichtvergessen werden, aber wenn auch! Sie müssen mir ja bald nachfol-

t Stehenden Fußes sterben. — r Schöner Tod. — Seelenruhe. — 3 Libitina, alt-italische Göttin der Todtenbestattung. — Corinna, fingirter Name der Geliebten Ovids.