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Während die Arbeiter in Deutschland selbst zu keinem Klassen-bewußtsein kamen, gelangten sie in eine ganz andere Sphäre, wenn sienach der Schweiz, nach Frankreich oder nach England wanderten. In derSchweiz fanden sie deutsche Flüchtlinge, welche eine revolutionäre Literaturherstellten und nach Deutschland hinein schmuggelten. In der Schweizwurden eine Menge deutscher Arbeitervereine gegründet, um welche Sachesich besonders Johann Philipp Becker, der wegen seiner Betheiligungam Hambacher Fest seine rheinpfälzische Heimath verlassen, verdientmachte. Wenn in der Schweiz schon den wandernden deutschen Arbeiternandere Anschauungen beigebracht wurden, als die daheim vorherrschenden,so trafen sie in Frankreich und England ganz neue Verhältnisse. Indiesen Ländern hatte die Industrie schon gewaltige Fortschritte gemachtund das Proletariat begann seine Macht im Klassenkamps zu fühlen.In Frankreich lebten unter den Arbeitern noch die Ueberlieferungen dergroßen Revolution mit ihrem mächtigen Schlachtruf: „Freiheit. Gleichheit,Brüderlichkeit!" Die Ausstände der Lyoner Seidenweber von 1831 und1834, die den Wahlspruch hatten: „Arbeitend leben oder kämpfendsterben!" ließen den von der kapitalistischen Ausbeutung geschaffenenAbgrund des Elends vor aller Welt Augen aufklaffen. In Englandbildete sich Ende der dreißiger Jahre die großartige Bewegung derChartisten, die zwar als erste praktische Forderung das allgemeine Wahl-recht aufstellte, aber sonst einen durchaus sozialistischen Charakter trug.Die Chartisten begingen den Fehler, das allgemeine Wahlrecht durcheinen allgemeinen Strike (den „heiligen Monat") erzwingen zu wollen,ein Unternehmen, das nothwendiger Weise mißglückte und den Aufschwungdes Sozialismus in England auf lange Zeit hinaus lähmte
So wurden die wandernden deutschen Arbeiter mit dem Sozialismusbekannt und sogen seine Ideen begierig ein. Bald wurden auch sozialistischeVorstellungen nach Deutschland gebracht und machten sich bemerkbar.Der Bundestag ward aufmerksam. Man war damals in Frankfurt schonwegen des verunglückten Savoperzuges von 1834 schlecht auf die Schweizzu sprechen. Im selben Jahr fand eine Versammlung deutscher Arbeiter
könnt ein ander Mal wieder kommen!" Ein Handwerksgeselle bat demüthig, daer mehrere Stunden weit weg in Arbeit stehe, von seinem Meister wohl nichtso bald Urlaub bekomme, und die dem Herrn Assessor bekannte Sache keinenAufschub leide, ihn nicht unverrichteter Dinge heimzuschicken. Der Assessorklingelte und herrschte dem erschienenen Amtsknecht zu: „Gieb mal dem Kerlda für seine Frechheit ein Dutzend von Deinen besten Pfeffer-nüssen!" Es unterblieb dies zwar auf die Einsprache des Bekannten, aberder Assessor sagte: „Man kann das Hundsvolk nur so im Respekt halten."