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worden und an diese hätte die Deputation ihre Forderung gestellt, dasMinisterium möge aus seine Verantwortlichkeit erklären, daß die Rückkehrdes Prinzen von Preußen nicht eher stattfinden solle, als bis er von derVereinbarungs-Versammlung zurückberufen werde; die Minister aber,welche für die Zurückberufung des Prinzen gestimmt hätten oder die ge-forderte Erklärung nicht abgeben könnten, sollten abdanken. Darauf hättendie beiden anwesenden Minister erklärt, sie seien wegen Abwesenheit desMinisterpräsidenten nicht im Stande, die Sache heute zur Entscheidungzu führen, dagegen werde sie das Ministerium morgen um 4 Uhr Nach-mittags zur öffentlichen Kenntniß bringen. Deshalb, rief Held, möchtensich die Versammelten bis zum anderen Tage um 4 Uhr gedulden; dieDeputation werde bis dahin für das Fortbestehen der Ordnung Sorgetragen; wenn aber die Minister dem so deutlich ausgesprochenen Volks-willen nicht nachkämen, so hätten sie die Verantwortung für alle möglichenFolgen zu tragen.
Die Masse ward stutzig und es erschollen Rufe des Mißfallens;indessen befolgte man die von Held ausgegebene Parole und die ganzeMenge Menschen bewegte sich ruhig hinweg, die Meisten nach den Zeltenzurück. Hier dankte Held der Versammlung für ihre musterhafte Haltungund sprach von einem „großen Siege," allein er erfuhr Widerspruch undman suchte ihn ins Lächerliche zu ziehen. Man beschloß indessen nur,den nächsten Tag wieder zusammen zu kommen.
Zur angekündigten Zeit erschien die Erklärung des Ministeriums,worin die Minister über die Rückkehr des Prinzen sagten: „Zur allge-meinen Beruhigung erklären wir demnach: Se. Königl. Hoheit kannund wird frühestens in 14 Tagen, also jedenfalls nach der auf den22. Mai unwiderruflich festgesetzten Eröffnung der Versammlung derVolksvertreter, in das Vaterland zurückkehren. Vorher wird der Prinz^ wie es nie anders die Absicht war — seine volle Zustimmungzu der betretenen neuen konstitutionellen Bahn öffentlich kundgeben."Zurücktreten, hieß es noch, könnten die Minister in diesem Augenblickuicht, denn von anderer Seite habe man ihnen sein Vertrauen aus-gesprochen und sie müßten mindestens bis zur Eröffnung der Volks-vertretung auf ihrem Posten verharren.
Die am anderen Abend unter den Zelten stattfindende Volks-versammlung begann damit, daß mehrere Redner von Neuem den „Volks-leiter" Held der Unzuverlässigkeit und Treulosigkeit anklagten; Andereverlangten den Sturz des Ministeriums; zum Schlüsse kam es aber zueiner Schlägerei, denn es hatten sich eine große Anzahl konservativerSpießbürger und Ordnungsfanatiker eingefunden, welche den demokratischen