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Die Deutsche Revolution : Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849 / von Wilhelm Blos ; illustrirt von Otto E. Lau
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Rednern zuriefen:Herunter!" Held behauptete am anderen Tage, seinLeben sei in Gefahr gewesen. Die Kommission, welche die Versammlungenunter den Zelten veranstaltet hatte, erließ noch eine Erklärung gegen dieMinister. Der Streit über die Rückkehr des Prinzen spielte sich von daan in der Presse ab, wiederum ein Beweis, daß die Rückkehr nicht dereigentliche Gegenstand der Demonstration gewesen. Es erhoben sich inPoesie und Prosa eine Menge von Stimmen für und gegen die Rück-kehr; vom Lande kamen Adressen dafür, namentlich von Müncheberg.

Am Abend des 15. Mai kam es im politischen Klub zu einemTumult. Man diskutirte dort den Antrag, die Volksvertretung zu ver-anlassen, die Revolution vom 18. März in ihren Konsequenzen anzu-erkennen; eine Anzahl anwesender Reaktionäre machte Lärm, Bürger-wehr erschien und der Präsident schloß die Sitzung. Der Klub legte sicheinige Tage später den NamenDemokratischer Klub" bei.

Der Mißerfolg der Demokratie bei ihrem Versuch, das Ministeriumzu stürzen, ermuthigte sogar den Polizeipräsidenten von Minutoli, miteiner Verordnung gegen dieunberechtigte" Kolportage von Druck-schriften vorzugehen, mitten in der neuenFreiheit." Ueberall wagten sichseit der verunglückten Demonstration die reaktionären Elemente wiederhervor und zwar theilweise recht dreist.

Bei dem Zuge vor das Ministerpalais in der Wilhelmstraße warbesonders der Handwerkerverein unter der Führung des GoldarbeitersBisky thätig gewesen. Die zahlreiche und mächtige Gewerkschaft derMaschinenbauer hielt entschieden zu Held. Um die Rehberger kümmertesich dergroße Demagoge" nicht. Er hatte sich durch seinen Geist, seinRedetalent und seine journalistische Geschicklichkeit einen unglaublichenEinfluß erworben. Nunmehr aber regte sich das Mißtrauen von allenSeiten gegen ihn. Ein Plakat lautete:

Ein Held muß sein man mit der That,

Das große Maul gar Mancher hat!"

Am 16. Mai gab Held eine öffentliche Erklärung ab, in welcher erdem Berliner Volke vorwarf, daß es demselben anpolitischem Takt,politischer Bildung und politischem Bewußtsein" fehle; die Zeit seiner(Held's)demagogischen Wirksamkeit" sei für das Volk in Berlin nochnicht gekommen und er trete deshalb zurück von einer Stelle, die er mitseinen Plänen für Volkswohlfahrt und Volksfreiheit nicht vereinbar finde.Er werde sich von nun an ausschließlich auf die Presse beschränken unddort über die soziale Frage Aufklärung verbreiten. Man werde ihn fürfeig oder für bestochen erklären, aber dies könne er ertragen.