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Die Deutsche Revolution : Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849 / von Wilhelm Blos ; illustrirt von Otto E. Lau
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Anzahl Zündnadelgewehre, die für das Volk ganz unbrauchbar waren, daes keine Patronen für dieselben besaß und auch nicht anfertigen konnte.Die Eingedrungenen suchten sich nun möglichst rasch Waffen anzueignen.Es wurden bei dieser Gelegenheit auch eine Anzahl Zierrathen, alteWaffen und sonstige militärische Reliquien entwendet, worüber sich Techownachher äußerte, wenn er gewußt, daß solche Dinge vorkämen, so hätteer den Hauptmann von Natzmer nicht zum Abzüge bewogen. Indessenwurde der größte Theil der erwähnten Gegenstände in den nächsten Tagenschon wieder zurückgebracht; die Zahl derer, die verschwunden blieben, warnicht zum zehnten Theil so groß, wie die Reaktionäre logen.

Den Meisten derSelbstbewaffner" wurden vom Handwerkervereinund den Studenten die Waffen wieder abgenommen; die Nachricht vondem Eindringen der Masse in das Zeughaus war auch kaum zu derBürgerwehr gelangt, als diese im Verein mit einem Bataillon des24. Regiments in Masse heranrückte und den Eingedrungenen die Waffenwieder abnahm. Das Militär trieb die Menge heraus und die Bürger-wehr übernahm es, den Einzelnen, meist unter Verabreichung einer Ohr-feige, die Gewehre zu entreißen. Lassen wir Herrn Professor Gneist,den Mann,der Alles beweisen kann" und der Bürgerwehrmann war,die Szene als Augenzeuge schildern.Die Szene," schreibt er inseinenBerliner Zuständen,"obgleich in schönster Mondnacht, hatteetwas Unheimliches. Vor dem Thore brannten düster einige Fackeln.Im Innern des Zeughauses war tiefe Finsterniß und nur aus einemgewissen Summen ließ sich vermuthen, daß eine große Anzahl Menschendarin thätig war. Die Kompagnien standen einen Augenblick bewegungslos.Die Führer schienen sich zu besprechen, in welcher Weise es rathsam sei,Mit diesen 200 Mann weiter vorzudringen. Da kam der HauptmannVogel auf den überaus glücklichen Gedanken, die Tamboure vor demZeughauseingang einen Wirbel schlagen zu lassen. Es war ein infernalischerLärm, indem der Schall in stiller Nacht von den Zeughauswänden mächtigabprallte ein Lärm, welcher in uns Allen, wenn nicht kriegerische,jedenfalls lebhafte Empfindungen hervorrief. Dieser Akt war entscheidendund augenblicklich verwandelte sich die Szene. Sofort nämlich begannenaus den einzelnen Fenstern Selbstbewaffner herauszuhüpfen und mitbewundernswürdiger Geschwindigkeit an der Wand entlang davon zulaufen. Kaum mochten fünf oder sechs entwischt sein, als die Wehrmännermeiner Sektion nicht mehr zu halten waren. Sie sprangen zu, um dieFliehenden zu erwischen, und ein solcher Eifer war plötzlich in uns ge-fahren, daß drei Wehrmänner auf einmal mit ihren Baponnetten aus einensiebzehnjährigen Jungen losstachen, der noch raisonniren wollte. Ich sprang