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Die Deutsche Revolution : Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849 / von Wilhelm Blos ; illustrirt von Otto E. Lau
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dazwischen; es war aber auch so böse nicht gemeint. Sonstige Wassenthatenzu vollbringen, wollte uns beim besten Willen nicht gelingen. Es strömtenvon nun an unausgesetzt Menschen zu den Fenstern heraus. Die erstenversuchten wir zu verhaften; da es aber an Leuten zum Transport fehlte,ließen wir bald gerne laufen, was laufen wollte. Immer mehr aberwurde es die Regel, daß die Abziehenden ein Gewehr bei sich hatten undmit sich nehmen wollten. Die größere Hälfte gab es jedoch auf Erfordernsogleich ab; Manche waren verwundert über eine solche Zumuthung, Mancheraisonnirten und bekamen eine Ohrfeige, wogegen sie das Gewehr ab-lieferten; sehr wenige endlich suchten sich gewaltsam durchzudrängen, be-kamen dann Rippenstöße und gaben das Gewehr endlich auch ab.

In der Zwischenzeit waren von der Seite des Kastanienwäldchens mehrereKompagnien Bürgerwehr herangerückt, welche jedoch keinen thätigen Antheilan der Entwaffnung zu nehmen schienen. Es fehlte so sehr an einer Dis-position, daß wir von Zeit zu Zeit von überlegenen Volksmassen eingeschlossenwaren, welche indessen keine ernsten Absichten zu haben schienen. Einigevon ihnen wandten sich ganz verwundert an mich und Andere, wie wirdenn dazu kämen, die Volksbewaffnung zu hindern. Es entstand zuweilenein umständlicher Disput über die Frage, auch gab es noch öfter Ohr-feigen. Sehr selten bedurfte es wirklicher Gewalt, um einemEinzelnen das Gewehr wegzunehmen. Während wir mitten hierin be-schäftigt waren, rückte ein Bataillon des 24. Regiments mit Fahne undklingendem Spiel vor dem Finanzministerium vorbei in die Mollersgassehinein und machte vor dem dortigen Zeughaus-Eingang Halt. Fort-während strömten indessen die Ausreißer aus dem Zeughause heraus unddas Erdgeschoß mochte so ziemlich ausgeleert sein, als das Linienbataillonmit Trommelschlag anrückte. Dies war das Signal für die im oberenStock befindlichen hundert bis zweihundert Menschen, sich aus dem Staubezu machen. Alle Fenster öffneten sich, man stieg auf das breite vor denFenstern befindliche Gesims heraus und drückte sich das Gesims entlangbis zur Feuerleiter, auf welcher die Einzelnen nun herunterkletterten.Naiver Weise brachte die Mehrzahl auch von diesen ein Gdwehr mit, welchesjedem Einzelnen sofort abgenommen wurde, natürlich gegen den Empfangeiner Ohrfeige."-

So harmlos endete der Zeughaussturm, der blutig und mit einer somächtigen Erregung begonnen hatte?)

*) Wir haben den Thatbestand dieses vielbesprochenen Ereignisses so gewissen-haft als möglich und ohne etwas zu verschweigen oder zu beschönigen, aus denzahlreichen Berichten und Aktenstücken zusammengestellt.