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Die Deutsche Revolution : Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849 / von Wilhelm Blos ; illustrirt von Otto E. Lau
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Herr Blesson ward von allen Seiten als Sündenbock bezeichnet under legte sein Kommando nieder, um durch den unbedeutenden Rimplerersetzt zu werden. Ueber Techow und Natzmer urtheilte man sehr ver-schieden; die Reaktionäre forderten die härtesten Strafen für diese beidenMänner, während die Demokraten es ihnen als Verdienst anrechneten,daß sie Berlin vor einem neuen Blutbad bewahrt hatten. Techow wardzu 15 Jahren Festungshaft verurtheilt und aus dem Heere gestoßen.*)Natzmer bekam zehn Jahre Festungshaft und wurde aus dem Diensteentlassen. Er saß einige Zeit in Colberg und wurde 1849, da erauf-richtige Reue" zeigte, begnadigt. Wegen des Zeughaussturmes wurdennoch eine Reihe von Personen in Anklagestand versetzt**); die Rednervor dem Zeughaus wurden in erster Instanz hart verurtheilt; in zweiterInstanz aber ward der zweideutige Urban freigesprochen, Siegerist zuvier, Korn zu zwei Jahren Festungshaft verurtheilt.***)

Der verunglückte Zeughaussturm wurde von den Reaktionären nachKräften und nicht ohne Erfolg ausgenutzt. Zwar hatte die Bürgerwehrden Versuch derSelbstbewaffnung" vereitelt; weil aber einige Kompagnienderselben mit dem Volke spmpathisirt hatten, ward die Gelegenheit wahr-genommen, der Bürgerwehr die Verantwortung für das Ereigniß auf-zubürden, sie für unfähig zur Aufrechterhaltung derOrdnung" zuerklären und Militär zu verlangen. In der That wurden Truppenherangezogen, so daß nach und nach wieder sieben Bataillone in derStadt waren. Auch in der Umgegend zogen sich Truppen zusammen,namentlich solche, die in Schleswig-Holstein gefochten hatten.

*) Es gelang ihm, aus seiner Haft in Magdeburg zu entspringen, woraufer an der Revolution in Baden und in der Pfalz einen militärischen Antheilnahm. Später ging er nach Australien. 1888 kam er in die Schweiz und frugin Berlin an, ob er sein Vaterland wiedersehen könne. Darauf wurde derSteckbrief erneuert, der 40 Jahre zuvor gegen ihn erlassen worden war.

**) Auch Lucilie Lenz, die dem demokratischen Klub seine Fahne überreichthatte, war auf dem Molkenmarkt, in Männerkleidung und mit einem Gewehraus dem Zeughaus bewaffnet, verhaftet worden. Der Polizeipräsident war sogalant, die feurige Republikanerin alsbald wieder frei zu lassen.

***) Die Gerichte wurden überhaupt bald sehr eifrig. Ein Student, der diemehrfach besprochenerothe" Fahne des demokratischen Klubs am 14. Juni nacheinem sicheren Ort bringen wollte, ward bei einer Barrikade in der Landsberger-straße unter dem Ruf:Es lebe die Republik!" angehalten. Die Menge suchteihn zu bewegen, die Fahne auf der Barrikade aufzupflanzen; er that es nichtund die Fahne wurde ihm von der einschreitenden Bürgerwehr genommen, aberwieder ausgeliefert. Gegen diesen Studenten, der Friedrich hieß, wurde vomStaatsanwalt wegen Hochverraths die Todesstrafe mit dem Rade vonunten aus beantragt. Er wurde indessen freigesprochen.