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obschon Windischgrätz alle seine Stücke spielen ließ. Aus den Fensternund von den Dächern wurden Steine auf das Militär geschleudert undsiedendes Wasser auf dasselbe gegossen. Die Fürstin Windischgrätz warderschossen, als sie aus einem Fenster ihres Palastes sah*), und auch derSohn des Fürsten ward verwundet.
Die Erfolge des Militärs waren gering und man verhandelte übereinen Waffenstillstand, doch wurden die Verhandlungen wieder abgebrochenund die Straßenschlacht begann mit neuer Wuth, wobei furchtbare Szenenvorkamen. Als Windischgrätz sah, daß er den stets sich verstärkendenAufstand in den Straßen nicht bewältigen konnte, zog er sich mit seinenTruppen aus der Stadt und bombardirte Prag von der Marien-schanze und vom Ziskaberg aus. Der Widerstand hatte sich in denArbeitervierteln, namentlich in Podskal, konzentrirt. Als den Barrikaden-kämpfern der erwartete czechische Landsturm nicht zu Hülfe kam, gabensie nach dem hartnäckigsten Widerstand am 17. Juni ihre Sache verloren.Die Barrikaden wurden verlassen, die Truppen rückten ein und Pragwurde in Belagerungszustand erklärt. Von den Führern des Aufstandeswurden nur wenige gefangen. Windischgrätz, trotzdem er auf dasAeußerste gereizt sein mußte, verfuhr gegen die niedergeworfenen czechischenInsurgenten mit einer Milde, die mehr als auffällig war. Die czechischeAristokratie hatte sich, nachdem die hitzigen Elemente im Straßenkampfniedergeworfen worden, mit der Camarilla zu Wien schleunigst verständigtund Palazky, das Haupt der Panslavisten, wandelte im Interesse derReaktion die krummen Wege, auf die ihn sein Deutschenhaß trieb.
Das Haus Habsburg warf sich den Czechen in die Arme, um mitihrer Hülfe das deutsche und magyarische Element zu bezwingen, und derunselige Nationalitätenstreit und Rassenhaß war so stark, daß auch die-jenigen Elemente, die gegen Windischgrätz mit aller Erbitterung auf-getreten waren, sich später vielfach zu dem großen Reaktionswerk heran-ziehen ließen. Sie hatten eben in Windischgrätz nur den angeblichenBeschützer des Deutschthums bekämpft.
Die veränderte Politik des Wien-Jnnsbrucker Hofes zeigte sich baldganz deutlich. Kaiser Ferdinand hatte angekündigt, daß er den WienerReichstag eröffnen werde. Noch während des Präger Aufstandes aberverkündigte er, daß er nicht kommen könne, weil sein körperliches Befindenes nicht erlaube, und daß er seinen Stellvertreter, den Erzherzog Johann,senden werde.
*) Sie war eine Tochter der Fürstin Pantine von Schwarzenberg, die gleichtragisch geendet hatte, indem sie 1810 zu Paris bei einem großen Hofball verbrannte.