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Zum Zeichen, daß die Demonstration eine friedliche sein solle, gingenFrauen und Kinder mit. Man sang dabei das deutschfeindliche Schuselka-lied. Am Tag zuvor hatte eine Deputation von dem Fürsten für dieBürgergarde 2000 Gewehre, 12 Geschütze und 80000 Patronen verlangt,war aber abschlägig beschieden worden. Die Demonstration hatte denZweck, das Verlangen nach Waffen zu unterstützen. Vor dem Palaisdes Fürsten waren Truppen aufgestellt und mit diesen kam es zu einemZusammenstoß. Wer denselben veranlaßt, darüber sind die Meinungengetheilt; der Streit ist auch gegenstandslos, denn der Kampf war bei der
Alfred von Windischgrätz.
gegenseitigen Erhitzung unvermeidlich geworden. Das Militär hatte inverschiedenen Straßen durch rücksichtsloses Dreinhaueu nicht versäumt,die Bevölkerung zur Wuth zu reizen. Vor dem Palais fielen Schüsseund die Menge floh in die angrenzenden Straßen mit dem Rufe nachRache. Mit ungeahnter Schnelligkeit stiegen Barrikaden empor und be-deckten und sperrten in unübersehbarer Zahl die engen Gassen der altenStadt. Der Kampf entbrannte mit aller Wuth und Leidenschaft und mansah viele der czechischen Frauen und Mädchen, die in der kurzen Amazonen-tracht umher stolzirt waren, mit großer Tapferkeit auf den Barrikadenkämpfen. Die Deutschen zu Prag nahmen an dem Kampfe keinen Antheil.Bei dem Angriff aus die Barrikaden erlitt das Militär große Verluste,