Buch 
Die Deutsche Revolution : Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849 / von Wilhelm Blos ; illustrirt von Otto E. Lau
Entstehung
Seite
458
JPEG-Download
 

458

Der Widerstreit zwischen Arbeitern und Spießbürgern führte umdie Mitte Oktober noch einmal zu einer blutigen Katastrophe. Auf demKöpenicker Felde hatten nämlich die Kanalarbeiter eine ihnen verhaßteMaschine, die das Wasser aus den Gräben pumpen sollte, zerstört. Seitdemwaren einige Abtheilungen Bürgerwehr, mit scharfen Patronen versehen, aufdem Köpenicker Felde stationirt. Die Arbeiter waren harmlos genug, sichdiese Polizeiaufsicht gefallen zu lassen; allerdings hatten sie sich unwilligüber dieselbe geäußert. Sie wollten am 16. Oktober, nach der Einweihungeines neuen Schachtes, den Bürgerwehrmännern ein Hurrah bringenund zogen mit einer Fahne herbei*) Die Bürgerwehr hielt dies füreinen Angriff und zog sich ins Exerzierhaus zurück. Ein Arbeiter riß dieThür auf und erhielt vom Bäckermeister Schulz, einem Bürgerwehr-Protzen, einen Säbelhieb über die Hand. Es entstand ein wilder Tumult,der sich aber legte, als Schulz dem Verwundeten einige Thaler alsEntschädigung versprach. Nun kam auch der Chef der Bürgerwehr,Rimpler, an, den man wegen der bewaffneten Besetzung des Arbeits-platzes zur Rede stellte. Die Bürgerwehr zog ab. Von da an gehen dieMittheilungen auseinander. Es wurde behauptet, die Arbeiter hätten ausdie Bürgerwehr mit Steinen geworfen; eine andere Mittheilung besagte, sieseien nur mit Hurrah hinterher gerannt. Kurz die bewaffneten Spieß-bürger gaben Feuer und tödteten und verwundeten eine Menge von Menschen.Zehn Arbeiter blieben todt, darunter einer, der ruhig abseits beim Essensaß; eine Frau, die ihrem Mann Essen zutrug, wurde durch die Schultergeschossen. Der Bäcker Schulz, hieß es, habe das Feuer kommandirt.

Diese brutale Schlächterei brachte die Arbeiter in Wuth; sie strömtenin Masse zusammen. Während die Bürgerwehr den Generalmarsch schlagenließ, bauten die Arbeiter Barrikaden in der Köpenicker Straße und an derRoß- und Jakobsstraßen-Ecke. Die Bürgerwehr griff die Barrikade in derJakobsstraße an, ward aber mit Flintenschüssen empfangen und zurück-getrieben, wobei ein Bürgerwehrmann fiel. Der Abgeordnete Berendssowie Karbe und Lindenmüller sprachen umsonst zu den Arbeitern undforderten die Räumung der Barrikade. Die Arbeiter waren durch dasfrivol vergossene Blut ihrer Kameraden gereizt und wichen nicht. Zumzweiten Mal griff die Bürgerwehr stürmend an, wobei der HauptmannVogel schwer verwundet wurde**), aber ohne Erfolg. Auch mit Unter-

*) Wir folgen hier der Darstellung von Robert Springer inBerlinsStraßen, Kneipen und Klubs im Jahre 1848." Die Berichte derVossischenZeitung" sind tendenziös.

**) Derselbe, der am 14. Juni vor dem vom Volke besetzten Zeughause einenWirbel schlagen ließ.