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Die Deutsche Revolution : Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849 / von Wilhelm Blos ; illustrirt von Otto E. Lau
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auch den letzten Rest seiner so tief gesunkenenSouveränität" entrißund ihm sogar die Rückkehr auf die früher innegehabte Basis abschnitt.

Die Erklärungen kamen mit aller Schnelligkeit und Deutlichkeit.Oesterreich erklärte sich am 4. Februar gegen jeden unitarischen Staatund sagte frei heraus, daß sich sein Kaiser einer von einem anderenFürsten gehandhabten Zentralgewalt nicht unterordnen werde; es gab derVersammlung den Rath, eineVerständigung" zu suchen. Sachsen schloßsich an Preußen an, Hannover und Bayern hielten es mit Oesterreich.Schließlich verlangte Preußen vom Reichsministerium, daß in der Reichs-verfassung die Kompetenz der Bundesgewalt genau begrenzt und dieExistenz der Eiuzelstaaten garantirt werde; Oesterreich aber schlug vor,die Reichsgewalt an ein Direktorium, bestehend aus den sieben mäch-tigsten Bundesfürsten, zu übertragen.

Dergeniale" Staatsmann Gagern hatte, wie man sieht, denReichskarren so gründlich verfahren, daß es gar nicht möglich war, diesgründlicher zu thun. Die Versammlung tappte wie mit verbundenenAugen umher. Denn nun hatte sie sich von ihrer ehemaligenSou-veränität" gänzlich auf den Boden derVereinbarung" undVer-ständigung" drängen lassen und hier blieb sie stecken. Was sollte siethun? Auf wen sollte sie sich stützen? Sie hatte es in der Ordnung ge-sunden, als die Bürgerwehr und das Militär die Arbeiter niederschlugen;dann hatte sie, als die Bürgerwehr vom Militär entwaffnet wurde, nurohnmächtige Proteste gehabt, oder hatte stillschweigend, manchmal billigend,zugesehen, und nunmehr brach die Reaktion über ihr Versassungswerkherein. Das hatte so kommen müssen.

In dieser erbarmungswürdigen Lage kam demgroßen Staats-mann" Gagern ein anderergroßer Staatsmann" zu Hülfe, nämlichder famose Welcker. Er überbot den Geniestreich, den Gagern mit derEinforderung derErklärungen" gemacht hatte, durch einen zweiten.Welcker beantragte, die Verfassung on kckoo anzunehmen, Oesterreich denZutritt offen zu lassen, alles Weitere dem nächsten Reichstage vorzubehalten,aber den König von Preußen zum erblichen deutschen Kaiser zu wählen.Der Staatsstreich von Kremsier hatte den sonst für Oesterreichs Anschlußeintretenden Welcker so erschreckt, daß er von den Großdeutschen unterdie Erbkaiserlichen gerieth.

Zwar wurde Welcker's Antrag abgelehnt, aber die in demselbenenthaltene Taktik ward zum guten Theil befolgt. Denn die Träumerder Paulskirche glaubten nun, es käme nur darauf an, die Verfassungrasch fertig zu machen, und in der That stellten sie dieselbe in wenigenTagen her. Damit lieferten sie einen Beweis, wie überflüssig die .unauf-