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Die Deutsche Revolution : Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849 / von Wilhelm Blos ; illustrirt von Otto E. Lau
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urtheile in Masse aus; der gierige österreichische Fiskus zog die Güterder Verurteilten, unter denen sich sehr reiche Grundbesitzer befanden,mit Behagen ein. Daß so viele Häupter der Bewegung nach der Türkeientkommen, machte der blutgierigen Camarilla großen Kummer undOesterreich wie Rußland forderten die Auslieferung der Flüchtlinge, vondenen einige, u. A. Bem und Guyon, zum Islam übergetreten waren.Der Großtürke Abdul Medschid beschämte die beidenchristlichen" Mächte,indem er erklärte, seine religiösen Pflichten gestatteten ihm nicht,die Flüchtlinge auszuliefern. Die Vermittelung Englands und Frankreichsfiel zu Gunsten der Pforte aus. Die Flüchtlinge wurden ins Innereder Türkei gebracht. Kossuth blieb eine Zeit lang in Kleinasien undwurde durch einen amerikanischen Dampfer abgeholt. Er hat Ungarnnie wieder betreten, trotzdem er sein Leben lang der gefeiertste Magyargeblieben ist.

Mit um so größerer Wuth stürzte sich Haynau aus die Opfer, diesich in den Händen seiner Schergen befanden. In Pest wurde zunächstGraf Ludwig Batthyany durch ein empörendes Urtheil zum Tode ver-dammt. Am 6. Oktober sollte er aufgehängt werden; seine Gattin steckteihm in der Nacht ein Messer zu, womit er sich am Halse verwundete.Darum wurde er, statt gehängt,nur erschossen." Haynau war wüthend,daß Batthyany dem Galgen entkommen war. An demselben Tage, denman wahrscheinlich als Todestag Latour's zu diesem Zweck bestimmthatte, wurden in Arad dreizehn der tapfersten Männer Ungarns, lauterhohe Offiziere, standrechtlich dahingeschlachtet. Neun von ihnen, nämlichAulich, Vecsey, Török, Lahner, Pölt von Pöltenberg, Nagy Sandor,Knezich, Leiningen und Damjanich wurden an neun Galgen neben-einander und Einer nach dem Anderen aufgehängt; die vier Anderen,nämlich Kiß, Lazar, Dessewfy und Schweidel wurdennur" erschossen.Das waren die Opfer, die mit Görgey sich den Russen ergeben hatten.Görgey selbst ward in Klagenfurt internirt; er allein von den ge-fangenen Häuptern entging dem Strang und der Kugel. Erhat keine öffentliche Rolle mehr übernommen.

Am 10. Oktober wurden in Pest der Minister Csanyi und derFreiherr von Jeszenak gehängt. Später wurden in Pest noch gehängt:der Präsident der ungarischen Magnatentafel, Sigmund Perenyi, derAbgeordnete Szacsvay, der Finanzrath Cserynus, der Fürst Woroniecki;ferner Giron und Abancourt.

Dies sind nur die bekannteren Namen. In ganz Ungarn gab esharte Strafurtheile, auf Tod, auf Einsperrung in die scheußlichen KerkerOesterreichs, aus körperliche Züchtigung resp. öffentliche Peitschung von