IV
Borwort.
jungen und aufstrebenden Staaten sowie der neuen Geistes-richtungen, durch die Schonung und Organisirung der fran-zösischen Wehrkraft den festen Grund zu dem Uebergewicht,das Frankreich unter Richelieu's Leitung in Europa erlangte.
Aber nicht nur in politischer Beziehung trat dieser Gegen-satz zwischen dem absterbenden Spanien und dem sich frischentfaltenden Frankreich gerade in dieser Zeit mit voller Klar-heit in die Erscheinung, sondern auch in den Momenten derinneren Entwickelung. Spanien vergrößert die Armuth seinerdurch die beständigen Kriege bereits ausgesogenen Bevölkerungdurch ein thörichtes Zoll- und Steuersystem und giebt durchVertreibung der Hunderttausende von intelligenten, fleißigenund sparsamen Morisken seinem Ackerbau und seiner Industrieeinen Stoß, von dem sie sich nie wieder erholt haben; allesGold Amerika's vermag diese Fehler einer verkehrten Staats-kunst und Gesetzgebung nicht wieder gut zu machen. Welch'entgegengesetztes Bild zeigt sich uns in Frankreich! Hier wer-den die zerrütteten Finanzen geordnet, die Schulden abbezahlt,ein beträchtlicher Staatsschatz — diese Vorbedingung für einejede aggressive Politik — angesammelt. Die Verwaltungwird in feste Normen gebracht und in ihren verschiedenenZweigen zweckmäßig eingerichtet. Die Industrie wird aufalle Weise, freilich bisweilen auf eine irrthümliche, begünstigt.Straßen und Kanäle werden hergestellt und Ruhe und Sicher-heit aus ihnen erhalten.
Diese folgenreiche Entwickelung liegt innerhalb der Jahre1598 bis 1610. Während Lerma's Regierung in Spanienden Wendepunkt dieses Reiches zum Verfalle bezeichnet, istHeinrich IV. zwar nicht der Hersteller, wohl aber der Be-