Band 
Erster Theil.
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Zweites Kapitel.

vielleicht von etwas zu voller Figur; ihr Gesicht war regelmäßigund unmuthig, wenn es auch gerade nicht den Stempel eines her-vorragenden Geistes trug. Ihr Benehmen war würdig und maje-stätisch, aber zu kalt sür die beweglichen und ungezwungenen Fran-zosen und besonders für ihren lebhaften Gemahl, der gerade dieseEigenschaft bei Frauen über Alles schätzte. Maria war nicht mehrganz jung, da sie am 26. April 1573 geboren war. Ihr Vater,der Großherzog Francesco, war gestorben, als sie das fünfzehnte Jahrerreicht hatte, und ihr Oheim Ferdinand hatte das Großherzogthum ge-erbt. Hätte derselbe Töchter gehabt, so wäre Maria sicher vor die-sen in den Schatten getreten; aber da dies — ein für sie günstigerUmstand — nicht eingetreten, so war sie die einzige heirathsfähigePrinzessin des Hauses Medici. Nach einander hatten sich Ranuzzio,der Sohn des großen Alexander Farnese, dann der Herzog vonBraganza, endlich Kaiser Rudolph II. um die Hand der reichenBraut beworben: aber den ersten entfernte die Eifersucht Spanien's,den zweiten seine verhältnismäßig unbedeutende Stellung, den drit-ten die Abneigung der Prinzessin vor dem finstern, gelehrten Sonder-ling. So hatte Heinrich von Frankreich ihre Hand erhalten, derglänzendste Bewerber, den sie und ihre Verwandten wünschenkonnten. — Spanien aber war wegen dieser Vermählung, die nochin die Zeit des savoyischen Krieges fiel, außerordentlich gegen denGroßherzog Ferdinand erbittert. Vergebens ließ dieser dem spani-schen Hofe versichern, daß Maria, dem Hause Oesterreich, welchemihre Mutter angehört hatte, ganz ergeben, gleichsam ein Unterpfanddes Friedens zwischen Spanien und Frankreich sein würde, und zugleichein Mittel, durch welches das Haus Medici der Krone Spanien seinevolle Ergebenheit erweisen könne. Philipp III. glaubte um so we-niger an die Wahrheit dieser Zusagen, als in demselben AugenblickeVenedig Truppen aushob, an deren Spitze es den Prinzen vonVaudemont, den Bruder der regierenden Großherzogin, stellte. Soglaubte man fest, Toskana und Venedig hätten sich mit Frankreichgegen Savoyen und Spanien verbündet. Der König nahm also