154
Drittes Kapitel.
katholische, betrachtete beide nur als wichtige Faktoren im Staatsleben,mit dendn er zu rechnen habe. So suchte er sie dem Staate möglichstungefährlich, ja dienlich zu machen: dies ist der hauptsächliche Gesichts-punkt, von dem er in religiös-politischer Hinsicht ausgeht. Menschlichkeit,Dankbarkeit gegen seine früheren Genossen im Bekenntniß und imKampf mögen wohl auch seine Erwägungen beeinflußt haben, indeßsicher erst in zweiter Reihe; war doch besonders die Dankbarkeit —nach dem fast einstimmigen Zeugnisse der Zeitgenossen — die Tu-gend, die Heinrich am meisten fehlte. Aber, wie überall, stimmtedas richtig erkannte Interesse mit dem Guten und Wahren übcrcin,und so suchte Heinrich dieses zu verwirklichen, gleichgültig aus welchenMotiven heraus. —
Bestürzt über die Heftigkeit der königlichen Anrede, aber auchbewegt von dem Gewicht der in ihr angedeuteten Gründe, blieben dieRäthe lange sprachlos stehen, als der König das Zimmer verlassenhatte. Sie gaben nunmehr jeden fernern Widerstand aus, und am15. Februar 1599 wurde endlich das Edikt in die Register desParlaments eingetragen und dadurch rechtskräftig gemacht; die Ver-öffentlichung folgte dann mehrere Wochen später.
Es ist schon in der Einleitung angedeutet worden, eine wieunabhängige Stellung die Resormirten durch das Edikt und die mitdemselben zusammenhängenden Verabredungen erhielten; aber konntennicht auch die Katholiken mit ihm wohl zufrieden sein? Ihre Re-ligion wurde ausdrücklich zur Religion des Staates und des Königserklärt. Die Gesetze derselben wurden auf allen den Gebieten zuGrunde gelegt, auf denen die staatlichen und die religiösen Insti-tutionen sich begegnen. Die den Resormirten ertheilten Rechte er-scheinen durchgehends nur als Ausnahmen, st Noch wichtiger, alsdieses alles, war die Wiedereinführung der katholischen Religion inGegenden, wo sie seit einem Menschenalter nicht mehr hatte aus-geübt werden dürfen, wie in Bearn und einigen anderen Gegenden
>) F. v. Räumer, Briefe aus Paris, 1. 168.