220
Drittes Kapitel.
er — La Fin — noch Biron wären auf dieselben eingegangen.Von Renaze möge er nie wieder sprechen, derselbe sei so gut wietodt.') Wirklich glaubte Biron, daß Karl Emanuel den unglücklichenSekretär aus dem Wege geräumt habe.
Ließe sich wohl eine thörichtere Antwort denken? La Fin, be-reits erbittert über Biron's Undankbarkeit und den Einfluß des Ba-rons Lux auf denselben, erfuhr also nun, daß er selbst kaum durchseine eigene Klugheit der tödtlichen Falle entgangen sei, in der seintreuester Diener das Leben verloren; von irgend einer Belohnungfür sein etwaiges Schweigen war in Biron's Erwiderung auch nichtdie Rede. Durch alles dies schwer gereizt, beschloß La Fin, seinenVortheil auf einem anderen Wege zu suchen, in der Denunziationdes Marschalls vor dem Könige.
In der Mitte des März kam La Fin an den Hof und offen-barte dem Könige und dessen Vertrauten Alles, was er von derVerschwörung wußte. Auch gab er ihm alle Briese des Marschallsan den Herzog von Savoyen, und zwar in den Originalen; denner hatte — ein doppelter Verräther — früher in leicht begreiflicherAbsicht dem Herzoge immer nur die Kopien eingehändigt, die Ori-ginalton aber zurückbehalten?) Man sieht, mit welcher Unbedacht-samkeit Biron verfahren war: zuerst sich einem Menschen, wie LaFin, anzuvertrauen; dann, das Schweigen desselben nicht durch alle,auch die schwersten Opfer zu erkaufen.
Heinrich, erschüttert durch die verbrecherische Tragweite derPläne Biron's, wollte zuerst den Eröffnungen La Fin's keinen Glau-ben schenken, bis er durch die Dokumente, die derselbe ihm vorlegte,überzeugt wurde. Er erkannte die ganze Größe der Gefahr undtraf sofort die nöthigen Maßregeln, um ihr zu begegnen.
Zuerst sorgte er dafür, dieselbe aus den möglich kleinsten Kreis
') ?. 184. — k. Llsltdieu, II. 107. L. I.
2) N8. Cons. des span. Slaatsr. v. 6. Juli 1602; Arch. v. Sim., L1426. — Vgl. vnxlsix, Niet. äs Henri IV., x. 309 k.