Band 
Erster Theil.
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mäßige Neigung zu den Frauen vorwerfen könnte: ein Tadel, derbei seinen Landsleuten ihm halb und halb zur Ehre gereicht. Der„gute König Heinrich", der „muntere Galan", so heißt Heinrich IV.nicht allein im Munde des französischen Volkes, als solcher ist ermeistens auch in die Geschichtsbücher übergegangen. Aber bereitsdie bisherige Darstellung wird gezeigt haben, daß man sich vondiesem Monarchen ein ganz anderes Bild zu entwerfen hat. Schonrichtiger ist es, wenn man ihn als einen Sanguiniker zeichnet, mitallen Vorzügen und Schattenseiten dieser Gemüthsart: aufgewecktemWesen, Heiterkeit und Witz, schneller Entzündbarkeit, kühnem Muthe,hochfliegenden Plänen, Verachtung des Kleinlichen, Großmuth gegenseine Feinde einentheils; andrentheils Unbeständigkeit in seinen Nei-gungen, Achtlosigkeit gegen Dinge und gegen Personen, Sinnlich-keit und Hang zur Ausschweifung. Gewiß waren diese die Grund-züge seines Charakters, denen man nur noch die intellektuellen Vor-züge einer klaren Einsicht und eines scharfen Sinnes für Takt, fürdas in jedem Augenblicke, zu jeder Sache Gehörende und Passendehinzuzufügen hätte. Aber in der langen Schule des Unglücks, dieHeinrich in seiner Jugend und im Beginne seines Mannesaltersdurchzumachen gehabt, hatte sein Charakter eine wesentliche Verände-rung erfahren, zum Guten und zum Schlimmen. Da hatte erAusdauer gelernt, zähe Beharrlichkeit, starres Festhalten an einemnoch weit entfernten Zwecke trotz plötzlichen scheinbaren Abbiegens;da hatte er die Menschen geringschätzen und ihnen mißtrauen ge-lernt sowie von Grund aus die Kunst der Verstellung und dasVergessen aller Skrupeln im Kampfe mit dem Gegner. Indemnun beide<Arten von Eigenschaften ineinander spielen, die ursprüng-lichen und die angelernten, entsteht in Heinrich's Denk- und Hand-lungsweise jene eigenthümliche Mischung, die uns das Verständnißseiner Persönlichkeit oft so sehr erschwert. Beide Arten gerathenhäufig in Streit, durchbrechen einander und heben sich gegenseitigauf: besonders in der letzten Zeit seines Lebens werden wir dies zubeobachten Gelegenheit haben. Im persönlichen Auftreten, im Ver-