Band 
Erster Theil.
Seite
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nun die Bürger, von dem Schießen aus dem Schlafe aufgeschreckt, be-waffnet und eilten in hellen Schaaren gegen den kecken Feind. Die Ver-zweiflung, die Furcht vor dem schrecklichsten Schicksal trieb sie zum mu-thigen Kampfe: nicht nur für ihre Freiheit, sondern auch für ihr Lebenund all' dessen Güter. Je kühner und entschlossener die Bürger, umso verzagter war die Handvoll Savoyer, welche sich zwischen den rach-gierigen Feinden und der Mauer eingeschlossen sahen. In blinderFlucht liefen sie zu ihren Leitern zurück. Aber wie groß war ihreVerzweiflung, als sie auf die Mauer gelangten und ihre Leitern durcheinige gut gezielte Schüsse von der nahen Gansbastei her zerschmettertfanden! Alle Angriffe der draußen befindlichen Herzoglichen auf ver-schiedene Thore und Theile der Mauern wurden indeß völlig und mitgroßem Verluste zurückgeschlagen. So blieb jenen auf dem Wallenichts übrig, als in den tiefen Graben hinabzuspringen; 54 Mannwurden dabei von den Feinden getödtet, 13 unter dem Versprechenehrenvoller Kriegsgefangenschaft zur Ergebung gezwungen. Das Grosder Arniee zog sich darauf unbelästigt zurück: das Unternehmen hatteden Savoyern 200 ihrer besten Leute gekostet.

Der Triumph der Genfer — nur sechszehn waren von ihnengefallen — über die glückliche Vereitelung der savoyischen „Esca-lade" war groß; aber in dieses gerechte Gefühl mischte sich leiderauch der Durst nach Rache. Da sie diese an dem Herzoge selbstnicht nehmen konnten, sollten die Gefangenen sie entgelten. Hattendoch diese Savoyer den feierlich beschworenen Vertrag gebrochen,hatten die ruhige und friedliche Stadt nächtlicher Weile, über dieMauern kletternd, wie Diebe überfallen! Was wäre wohl das Loosder Bürger gewesen, wenn jene ihre verbrecherische Absicht durch-gesetzt hätten? Die Stadt wäre ausgeplündert und niedergebrannt,die Weiber mißhandelt, die Männer getödtet worden. Man be-hauptete, der Herzog habe seinen Leuten dieses in ganz bestimmterWeise befohlen?) Und hierfür sollte man nicht die Savoyer, die

') 4ubigns, Uisl. Oniv, V. 12 x. 498.