Band 
Erster Theil.
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Viertes Kapitel.

bringen zu wollen? So beschlossen die Rhätier auf der Versamm-lung zu Chur (Mitte Juni 1604).') Die Schwierigkeit war nurdie, diese Lösung den beiden gegenüber stehenden Großmächtenannehmbar zu machen: und hieran scheiterte auch der Versuch. DieGesandten, die nach Mailand gingen, ließen sich jedesmal durchFuentes zu Spanien allzu günstigen Bedingungen bestimmen; undkamen sie dann vor die Bundesversammlung, so fanden sie hiereinige entschieden französisch gesinnte Männer und Herrn de Vicselbst, der keine Mühe in seinem Dienste sparte, und dann sahensie ihr Werk wieder vernichtet. So mußte man dasselbe von neuembeginnen und bewegte sich schließlich unaufhörlich im Kreise. Vonder einen Seite schürte Alfonso Casal, von der anderen de Vic undandere Agenten Frankreichs.

Die Krise nahm einen immer bedrohlicheren, einen immer all-gemeineren Charakter an. Spanien und Frankreich, durch so vieleInteressen von einander geschieden, in so vielen Theilen der Weltim Streite, kamen von neuem in ein entschieden feindseliges Ver-hältniß. Der so lange künstlich aufrecht erhaltene Schein einesguten Einvernehmens zwischen den beiden Mächten zerstob völligvor der Macht der Thatsachen, welche die beiden Staaten immerwieder einander als Gegner gegenüberstellten.

Es äußerte sich dies auf die mannigfachste Weise. Der spa-nische König hatte auf die französischen Waaren einen Einfuhrzollvon 30 "/o des Werthes gelegt; unverzüglich (Febr. 1604) verbotHeinrich IV. überhaupt seinen Unterthanen den Verkehr mit Spa-nien, da jener Zoll dem dritten Artikel des Friedens von Vervinsentgegen sei.^) Der König ließ sogar den französischen Kaufleuten,die sich in Madrid aushielten, anrathen, sie möchten sich zur bal-digen Abreise bereit halten, denn ein solcher Friede könne unmög-

') 8nII^, Oe«. rox., oll. 147.

2 ) Vielfache N8. Depeschen und Cons. sowie Briefe der I,. in.. VI, — Gegendieses Verbot wurde in Paris eine beißende Satpre veröffentlicht; 8upxlsin.L l'Lstoile, 363.