Band 
Erster Theil.
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Scheinfriede.

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geschicktesten Bündnern aus. Es kam ihm hierbei sehr zu Statten,daß vor kurzem im rhätischen Lande eine Art Revolution vor sichgegangen war, durch welche alle bisherigen obrigkeitlichen Personennicht nur gestürzt worden waren, sondern auch nunmehr mit Staats-prozessen bedroht wurden. Diese schlössen sich, um Schulz zu sinden,sämmtlich den Spaniern an.') Aus der anderen Seite war auch derfranzösische Gesandte nicht müßig — 100,000 Ecus vertheilte erunter die getreuen Bundesgenossen^) — und so ging der diploma-tische Streit zwischen beiden Mächten um den Einfluß in jenenGauen lange Zeit unentschieden fort. Es zeigte sich dabei, welchenBortheil Spanien aus der Furcht zog, die es allen einflößte, wiehohe Zeit es für Frankreich sei, hier energisch einzugreifen und auchsein Ansehen wieder fest zu begründen. Die Venezianer zeigtensich, aus Besorgnis; vor Spanien, völlig unthätig, die schweizerKantone begnügten sich mit einigen allgemeinen Ermahnungen andie Graubündner, wacker und mnthig auszuhalten, ohne daß sieihnen die mindeste Unterstützung oder auch nur die Zusicherung einersolchen hätten zu Theil werden lassen. Die Bündner wußten nichtrecht, nach welcher Seite sie sich neigen sollten. Von der einenfürchteten sie, bei ihrer Entfernung von Frankreich, bei erster Ge-legenheit das Opfer eines spanischen Angriffs zu werden, undwünschten den freien Handel mit dem Mailändischen, der ihnen zu-letzt doch unentbehrlich schien; von der anderen wollten sie sich, geradewegen der bekannten Gelüste Spaniens nach dem Veltlin, vonihren alten Bundesgenossen, Frankreich und Venedig, nicht trennen.Sie suchten deshalb nach einem Mittelwege. Wie wäre es, wennman Venedig nnd Frankreich durch nominelle Aufrechterhaltung derVerträge beruhigte, zugleich aber auch die Spanier durch das Ver-sprechen gewänne, diese Verträge nicht gegen sie in Anwendung

0 8MIv, Ose. ro)'., e1>. 146.

2) FreSnes an Martümigo, 3. Juli 1604; ^mt>. äo 4.

II. I. III. part 2 MA. 272.