Band 
Erster Theil.
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Viertes Kapitel.

einen seiner Vettern, der sich um die Kirche verdient gemacht hatte,zum Kardinal zu erheben, wies er dies zurück: es sei für ihn keineZeit mehr, an seine Person und an seine Verwandtschaft zu denken.') —Und so starb wirklich Leo XI. schon am siebenundzwanzigsten Tage' seines Pontifikates, in Folge einer Pleuresie, die er sich bei seinerersten feierlichen Prozession zugezogen (27. April 1605).

Als Philipp III. und Heinrich IV. die Botschaft von diesemEreigniß erhielten, waren die Kardinäle bereits zu dem neuen Kon-klave versammelt. Jene konnten also die Vorbereitungen für dieseabermalige Wahl nicht treffen, wie bei der vorigen Gelegenheit, son-dern mußten die Führung dieser Sache gänzlich ihren Kardinälenund ihren Gesandten in Rom selbst überlassen. Trotzdem machtedas zweite Konklave nicht weniger Schwierigkeiten, als das frühere.Im Gegentheile, die Parteien waren noch schärfer gesondert: Aldo-brandini und die Seinigen waren wieder mehr auf die Seite derSpanier hinübergetreten, die Freunde Montalto's auf diejenige derFranzosen; die letzteren hatten außerdem mehrere Kardinäle neuer-dings durch hohe Pensionen gewonnen. ^) Ueberhaupt waren diemeisten Kardinäle, besonders auf Baronius' Veranlassung, entschlossen,das Familieninteresse der Aldobrandini nicht den Sieg davontragenzu lassen. Lange schwankte die Entscheidung, Niemand wußte, wo-hin sie fallen würde; Saulr, Bellarmin, Mariana, noch mehrerewurden genannt. Endlich schlug Aldobrandini den Kardinal vonReggio, Domenico Tosco, vor, und die Spanier fielen dem bei.Da er nun einer der Kardinäle war, welche der französische Königals nicht zu begünstigen, aber auch als nicht zurückzuweisen bezeichnethatte, so wäre beinahe Tosco wirklich gewählt worden. Schon saßer auf dem erhöhten Throne in der sirtiniichen Kapelle, nur eineStimme fehlte ihm noch an der nothwendigen Mehrheit von zwei

') Vg.v11a, 112 k.

2) Depesche Du Perron'ö vom 8. April; Heitres et MAoeiutious,x. 393 k.