Band 
Zweiter Theil.
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Zweites Kapitel.

deren Kinder stählen, um sie in mohamedanische Länder zu ver-laufen. Schon Philipp dem Zweiten habe er — Ribera — dasvorgestellt; jetzt möge der König das ihm von seinen Vorfahren hinter-lassene glorreiche Werk selbst vollbringen und so das Gebot er-füllen, das einst der Erzengel Michael dem frommen FranciscoMmenez überbracht habe!

Dieses, so eigenthümlich aus politischen und religiösen Er-wägungen zusammengesetzte Memorandum hatte am königlichenHofe wenig Erfolg. Der königliche Beichtvater, Fray Gaspar deCordova, den wir bereits als einen milden und gerechten Mannkennen gelernt haben, sowie andere, zumal kastilische Theologenwollten erst bestimmte Fakten sehen, ehe sie schwere Maßregelnüber eine so zahlreiche Klasse der Bevölkerung verhängten. Diereligiösen Gründe des eifrigen Erzbischofs von Valencia erkanntensie, gestützt auf die päpstliche Autorität, nicht an. Lerma undPhilipp III. waren froh, durch dieselben einem so mühseligen Unter-nehmen enthoben zu werden. Nur die Behauptung von Ver-schwörungen unter den valencianer Morisken, wenn sie auch durchkeine Thatsachen erwiesen war, machte Eindruck. Da sich aberbei angestellter Zählung erwies, daß in ganz Valencia nur etwa30,000 maurische Familien, also etwa 150,000 Morisken wohnten,fühlten der König und seine Minister sich beruhigt. Doch for-derten sie den Erzbischof auf, seine Ansichten und Pläne in Betreffder Morisken genauer zu sormuliren.

Ribera entsprach diesem Verlangen mit Eifer. Er sandtesofort eine zweite Denkschrift ein, in welcher seine Vorschläge aufeine eigenthümliche Weise entwickelt wurden. Man könne wedereine Million Menschen tödten, noch dürfe man sie alle auf einmalvertreiben, weil dann — soweit eröffnete sich doch der frommePrälat politischen und ökonomischen Erwägungen — der Schadendes Königs und des Landes ein zu großer sein würde. Er theiltedeshalb alle Morisken Spaniens in zwei Klassen. Die erstere, dieMauren Kastilien's, Estremadura's und Andalusien's umfassend,