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Zweites Kapitel.
handelt wurden, ihr Leben jeden Augenblick in Gefahr stand?Sollten sie nicht nach Afrika befördert werden, zu ihren Stammes-und Glanbensbrüdern, wo sie zwanglos und frei nach dem.Triebeihres Herzens würden leben können!
Die anfängliche Verzweiflung vewandelte sich unter diesenErwägungen in fröhliche Entschlossenheit. Alles brach auf undfolgte den königlichen Kommissarien nach den Häfen Grao deValencia, Denia und Alicante, um so bald wie möglich das feind-liche Land zu verlassen. Dem zuletzt von der Moriskenversamm-lung gefaßten Beschlusse gemäß, wollten auch die sechs Familienvon hundert, welche die Herren der verschiedenen Orte zum Zurück-bleiben auswählten, nicht in Spanien verweilen; da die Herrensie sehr darum baten, damit sie ihre Künste in Ackerbau undFabrikation verpflanzten, stellten sie die unmögliche Bedingung, sichzum Islam bekennen zu dürfen. Wie dies natürlich ihnen vornPatriarchen und Vizekönig abgeschlagen wurde, ließen sie sich nichtmehr halten; denn lieber, sagten sie, wollten sie Vasallen desTürken, als Sklaven der Spanier sein.')
Alle wollten unter denen sein, welche gleich zuerst befördertwürden. Unter Führung ihrer bisherigen Herrn oder königlicherKommissarien, geleitet von Gerichtsboten, zogen die Schaaren ver-gnügt einher, zu Fuß und zu Pferde, mit dem Kostbarsten be-laden, die Frauen in ihren Festtagskleidern, Musik, die heitereWeisen spielte, voran. Wenn sie an das Meer kamen, so warfensie sich nieder, küßten den Ufersand, dankten Allah und Mohamedfür ihre Befreiung, wuschen mit dem Seewasser sich Gesicht undHände, ja tranken begierig von der Salzfluth, als ob sie das größteLabsal wäre.^) Männer und Frauen von neunzig Jahren schifftensich voll Freude ein. Gelähmte, Sterbende, eine Greisin von103 Jahren ließen sich von ihren Angehörigen auf die Fahrzeuge
') Oabrora, 24. Okt. 1610; x. 385.-) lileäL 1003.