Band 
Zweiter Theil.
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Die Vertreibung der Moriskos.

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ansehen. Die zweite Beförderung seit dem Jahre 1611 hattewieder 60 bis 70,000 dieses Stammes aus Spanien entfernt. ImGanzen kann man also die Zahl der Bewohner, die Spaniendurch diese „glorreiche" Maßregel Philipp's III. und Lerma's ver-loren hat, auf etwa eine halbe Million annehmen, den sechzehntenTheil der Gesammtbevölkerung — diese Schätzung ist überall aufdie bescheidensten und deshalb allerdings wahrscheinlichsten Angabenbegründet.')

Die traurigen Folgen, die jeder Einsichtige für den Wohlstandeinzelner und des ganzen Volkes von dieser Massenaustreibungerwartet hatte, traten sofort in vollem Umfange ein. GirolanoSoranzo, der venezianische Gesandte in Spanien, erkannte diesbald. Schon in seinen Depeschen vom Ende 1609 und Beginn1610 spricht er der Signorie seine Ueberzeugung aus: „Der„Schade, welchen Spanien von jener Maßregel empfangen würde,„sei gar nicht zu beschreiben!")

Ueberall im Auslande brachte die Thorheit und Grausamkeiteiner Maßregel, welche noch Richelieu bezeichnet als „den kühnsten„und barbarischsten Beschluß, welchen die Geschichte aller frühern„Jahrhunderten erwähnt",^) den übelsten Eindruck hervor. EinSchrei des Entsetzens ging durch ganz Europa. Man erzähltemit Grauen die gegen jene Unglücklichen verübten Grausamkeiten,die von der einmal angeregten Phantasie noch um vieles ver-größert wurden; 30,000 Moriskeu, Männer, Frauen und Kinder,hieß es, seien in die See geworfen worden. Die herzliche Ab-neigung, die ohnedies schon überall gegen die Spanier herrschte,wurde dadurch nicht wenig gesteigert. Die politischen FeindeSpanien's benutzten den Abscheu, welchen diese Greuel hervor-

') Die Schätzungen von 900,000 bis zu einer Million, welche Buckle(Uist. ol. oivilis. Bd. II. Kap. 1 Note 142) aus vielen spätern Schrift-stellern anführt, sind sämmtlich übertrieben.

°) Lsr. s Servilst, I., I. p. 469 Note I.

') Nemoires äs Rtvlrslisn, I 86 (sä kstitot).

ii.

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