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Viertes Kapitel.
angenehm; die Lektüre poetischer und selbst gelehrter Bücher machteihre Lieblingsbeschäftigung in ihrer Mädchenzeit aus.') Freilichtrat si? zunächst ruhig, zurückhaltend, ja schüchtern und schweigsamaus, so daß Leute, die sie seltener sahen, sie für bornirt zu haltengeneigt waren. 2) Indeß diese Schüchternheit war nur eine Folgeihrer Erziehung — und ihr Gatte konnte sich von der Außenseitenicht täuschen lassen. Maria war die Tochter des GroßherzogsFranz 1. von Toskana und Johanna's, der Tochter Kaiser Fer-dinands I. Johanna starb frühzeitig vor Kummer wegen derunbezwinglichen Liebe, mit der ihr Gemahl der schönen Venezia-nerin Bianca Capello ergeben war. Die verhaßte Feindin warmit ausgesuchter Bosheit vorn Großherzoge zur Erzieherin derkleinen Prinzessin ernannt worden; nach dem Tode der unglücklichenMutter sah Maria deren Nebenbuhlerin sich zur Stiefmutter ge-setzt. So wuchs sie freundlos und abgeschieden auf, von demVater fast ebenso gehaßt wie von jener Venezianerin; die Erinne-rung an die Eltern, sonst auch dem Unglücklichsten ein sanfterTrost, rief in ihr nur Gefühle theils bitterer Abneigung theilsherzkränkender Trauer hervor. Auch als mit dem Tode ihres Vatersund der Thronbesteigung ihres Oheims Ferdinand bessere Tage fürsie angebrochen waren, lebte sie still und abgeschlossen sich undihren Studien. Kein Wunder, daß Maria, als sie sich plötzlichinmitten des Glanzes königlicher Würde, in das Getümmel undIntrigenspiel eines großen Hofes versetzt sah, schüchtern und ver-legen sich zeigte. — Daß die Siebenundzwanzigjährige schon frühereine Neigung für ihren glänzenden Vetter Don Virginio UrsiniHerzog von Bracciano gehegt, ist wohl glaublich; indeß dieser hatteseitdem sich anderweitig vermählt, und die übelsten Lästerzungen
') Oslurni, Istorig, äol Orunäueuto äi 'I'oseans, ttl. 11t k.; undk'reer, 1Iei>r) IV. suä Nsris. äs Ueäiei, II. 157 t.
2) A8. Dep. Zuüiga's v. 5. Aug. 1605 (Arch. v. Sim. L. 1426). —Relun. äi kietro kriuli; 208 t.