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Viertes Kapitel.
Marie deutlich genug vor Augen. Mit der ganzen Kraft ihrergetäuschten, gereizten und beängstigten Seele hing sie sich nun andie einzigen Vertrauten aus der Heimath, die ihr geblieben, ihreKammerfrau Leonore Galigai und ihren Kavalier Concino Concini.Gewiß, diese Personen, ihres Vertrauens unwürdig, mißbrauchtendasselbe zu ihren eigensüchtigen Zwecken; aber es waren doch dieeinzigen, welche unter all' den Fremden und Gegnern der Kö-nigin Anhänglichkeit bezeugten, sei es auch nur aus egoistischemInteresse, da sie ganz auf dieselbe angewiesen waren.
Es ist hier nicht der Ort, auf die heftigen Szenen einzugehen,welche diese Verhältnisse unter den beiden hohen Ehegatten häufiggenug hervorriefen; wer an diesen Dingen Interesse hat, kanndarüber in den Memoiren und in den diplomatischen Berichtender Zeit genügende Nachricht finden.') Maria verlangte vomKönige gebieterisch das Aufgeben des Verkehres mit seinen Ge-liebten, Heinrich von seiner Gemahlin die Verstoßung ihrer italie-nischen Vertrauten und mehr Kälte gegen ihre jungen Vettern,gegen welche sie in der That bei deren häufigem Besuche eineetwas demonstrative Zärtlichkeit an den Tag legte. Darüber ver-mochten sich beide nie zu einigen; es soll sogar zu Thätlichkeitenzwischen ihnen gekommen sein.") Indeß sie versöhnten sich immerwieder, sei es aus einem Reste wahrer Zuneigung, sei es um denSkandal zu verhüten, sei es endlich weil der König nicht durch
') Die betreffenden Stellen in den gleichzeitigen Memoiren, zumal beiSully, sind allen zugänglich. Die spanischen Gesandten erzählen von der-gleichen Vorfällen u. A. in ihren Depeschen vom 3. Febr. 1606, 18. Septbr.,10. Oktbr., 6. Nov. 1607, 19. Aug. 1608, 5. Febr. 1609. (Arch. v. Sim.sPariss L. 1460—1461 8); die belgischen in ihren Dep. v. 12. Juli 1605,22. Aug., 29. Dez. 1606, 27. Aug. 1607 (H. H. und St. - A. in Wie»,6. 188—190); der englische Agent Winwood in seiner Dep. v. 17. März 1602(gedruckt in Winrroock Ueinoriuls, I. 398).
kiclislien, I. 6. — Um die Demüthigungen zu ermessen, welchen derKönig seine Gemahlin, seinen Maitrcssen gegenüber, fortwährend aussetzte, leseman nur seine Briefs an die Verneuil, I.ettr. Nws. VII. 595. 604. 607. 661.— Doch wurden die Streitigkeiten der beiden Gatten vom Gerüchte oft über-trieben; 8. LI. VII. 377.