Band 
Zweiter Theil.
Seite
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Frankreichs innere Zustände unter der Regierung Heinrich's IV.

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hatten, ging unter einer immer mehr sich entwickelnden materialisti-schen Richtung schnell zu Grunde. Reichthum, Macht, Genuß,wurde das Losungswort des Tages. Ohne Zweifel hat das vor-wiegend praktische und sinnliche Wesen des Königs viel hierzubeigetragen. Wie Heinrich IV. nach innen und außen dem König-thume des vierzehnten und sünszehnten Ludwig den- Boden geebnetund das Beispiel gegeben hat, so war er auch in der rücksichts-losen Befriedigung der sinnlichen Lust ihr kaum noch über-troffenes Vorbild. Es knüpft eben das Neble wie das Gute inder französischen monarchischen Zentralisation an die Person diesesHerrschers an. Nur daß bei allem dem der Bearner seine Geld-mittel immer weislich zusammen zu halten wußte!

Doch gehen wir zu einer erfreulichern Seite von Heinrich's IV.Wirksamkeit über: zu seiner innern Verwaltung des Reiches. Hiererwuchsen ihm die schönsten unbefleckten Lorbeern, zumal er dabei,wie erwähnt, zwar tüchtige Räthe und Gehülfen gefunden hat,das wahrhaft Bestimmende und der Urheber fast alles hier Ge-leisteten aber selbst gewesen ist. Der König besaß die Haupt-tugend eines Regenten, überall den richtigen Mann an den rich-tigen Ort zu stellen und gute Vorschläge so in sich aufzunehmen,daß die nach denselben angeordneten Thaten wahrhaft als seineigenstes Werk erschienen. Nirgends begnügte er sich mit ver-einzelten Maßnahmen; vielmehr ordnete in seinem klaren undsystematischen Kopfe sich alles zu umfassendem Zusammenhange,und sein energischer Wille zögerte nicht, das so Erkannte durcheinschneidende und weittragende That zu verwirklichen.

Von einem eigentlichen Ministerium in unserm heutigenSinne kann zu Heinrich's IV. Zeiten nicht die Rede sein. Esgab damals für einen Herrscher nur zwei Weisen zu regieren:entweder er war ein Schwächling, wie Philipp III. und Ludwig XIII.,dann wälzte er die Last der Geschäfte auf einen einzigen Ver-trauensmann, einen Prinzipalminister, ab; oder er gedachte,' selbstzu regieren, wie Philipp II. und Heinrich IV., dann wählte er sich