Band 
Zweiter Theil.
Seite
386
JPEG-Download
 

386

Viertes Kapitel.

Die Reiterei hatte in den Bürgerkriegen zum größten Theileaus freiwillig dienenden Edelleuten bestanden. Nichts war be-wunderungswürdiger als deren kühner, jeder Gefahr trotzenderMuth; aber nicht weniger auffallend war ihr völliger Mangel anDisziplin; und was das Schlimmste war, sie glaubten sich be-rechtigt, jeden Augenblick, wann es ihnen beliebte, die Fahne zuverlassen und nach dem heimischen Schlosse zurückzukehren. Einesolche Truppe konnte Heinrich nicht gebrauchen, welcher aus seinerArmee ein gefügiges Werkzeug für die Machtpläne des französischenKönigthumes nach innen und außen zu machen gedachte. Von1598 bis 16lO hat er deshalb seinen Adel nie zum Dienste auf-gerufen. Im Jahre 1610 freilich, bei der wichtigen bevorstehendenEntscheidung, wollte er sich mit seinen getreuen Edelleuten um-geben: aber unter den 10,000 Reitern, die zusammen bei dieserGelegenheit ausgestellt werden sollten, beabsichtigte er nur 1000Edelleute zur Leibwacht unter der „weißen Standarte" zu ver-einigen.') — Auch die Kompagnie Kavallerie zählte auf demKriegsfuße 200 Mann.

Nicht minder folgenreich für die Zukunft der Armee war dieausgezeichnete Entwickelung, welche Sully der französischen Artillerieals deren Großmeister gab. Die Verwaltung war vorzüglich or-ganisirt, der Ankauf des Rohmaterials zu Geschützen, Kugeln undPulver geschah stets aus erster Hand und wurde genau kontrolirt.")Sämmtliche Geschütze waren gleichmäßig aus Bronze gearbeitet.")Ein starkes stehendes Offizierkorps der Artillerie ward errichtet.Es ward zusammen mit 75,000 Livres besoldet;') nehmen wir an,daß jeder Offizier durchschnittlich 500 Livres erhielt (c. I IOO THlr.nach heutigem Geldwerthe), so ergiebt sich ein Corps von 150Offizieren, die sicher im Stande waren, zweihundert Geschütze zudirigiren. Der Armee von 36,000 Mann, welche im Mai 1610

-) Lrülzr, IX. 66.

-) 8u1I>, III 322, VII. 136.

o) LI8. Tep. Ayala'S v. 21. Okt. 1600 (Wie»).

A8. 8stat Acueral >1es I'Inanees (Briissel).