Band 
Dritter Theil.
Seite
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Venedig und Graubünden.

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Mönchsorden beachtet wurde. Die Mönche des Bernhardiner-Ordens boten sogar der Republik 150,000 Dukaten für derengegenwärtige Bedrängnisse an.

Indeß wenn auch im Innern des eigenen Staates dieAutorität des Senates und des herzoglichen Kollegiums triumphirte,so hatte doch der Streit zwischen dem Papste und Venedig eineBedeutung, die weit über die Grenzen des venetianischen Gebieteshinausging. Er war eine Erneuerung des alten und ewigenKampfes um die selbstständigc Berechtigung, um die Gleich-berechtigung des Staates der Kirche gegenüber, die sich als diehöhere, „würdigere" und deshalb überwiegende Macht betrachtete,noch ganz wie im Mittelalter. Die einzelnen Streitpunkte warenhier nur Symptome ganz verschiedener Weltanschauungen: der-jenigen, welche den Staat als den untergeordneten, fast unwürdigenDiener der bei Gott alleinberechtigten Kirche ansah; und dermodernen, die im Gegensatze zu jener mittelalterlichen Auffassungim Staate die Vereinigung aller materiellen und sittlichen Faktorendes Volkslebens erblickte und ihm deßhalb die höchste allseitigeGewalt über alle Klassen des Volkes — die Geistlichen wie dieLaien — zuschrieb. An und für sich war diese letztere Anschauungdamals schon ohne Zweifel die mächtigere, indessen dem Siegeder Venetianer stellten sich mannigfache politische Verwickelungenentgegen. Bei dem scharfen Gegensatze, der gerade in Bezug aufdie italienischen Zustände die beiden Hauptstaaten der Christen-heit von einander trennte, mußte eine italienische Angelegenheitvon solcher Wichtigkeit einen empfindlichen Einfluß auf ihr beider-seitiges Verhältniß und damit auf die politische Lage Europa'süberhaupt üben.

In Madrid hatte mau trotz heuchlerischer Beileidsbezeugungendas Zerwürfniß zwischen dem Papste und Venedig mit übel ver-hehlter Freude gesehen. Hier bot sich wieder ein trefflicher Anlaß,im Namen der angeblich bedrohten Interessen der Religion zuSpaniens Vortheil gegen die verhaßte Republik einzuschreiten.