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Erstes Kapitel.
Landtages und des ständigen Geheimen Rathes umzustoßen. Zu-erst erhoben sich die Gemeinden des Gotteshausbundes — der Ge-gend von Chur, des Oberhalbstein und des Engadin — und er-schienen Mitte März 1607 vor der Hauptstadt, deren Thore ihnenzunächst geschlossen wurden; aber um den Bürgerkrieg zu ver-meiden, ließ man sie ein.' Da inzwischen die venetianischcn Gel-der ankamen, der französische Gesandte Pascal und die evangeli-schen Prediger sich in's Mittel legten, gelang es noch einmal,24. März, einen verhältnißmäßig ruhigen Landtag — Bittagnannte man ihn in Bünden — zu Chur abzuhalten, aus welchemPascal und der Venetianer Vincenti die Bewilligungen ihrer Re-gierungen darlegten. Aber die Ruhe war nur von kurzer Dauer,vielmehr nahm die Krise im Bündncrlande einen immer heftigerenCharakter an.
Die spanische Partei streute das Gerücht aus, als habe Vene-dig den Geheimen Rath mit 80,000 Goldthalcrn bestochen; undnun wollte das aufgeregte Volk wissen, in wessen Hände diesesGeld gelangt sei. Nicht minder wirkte die von Fuentes aufrechterhaltene Sperre der Getreidezufnhr aus dem Mailändischen. DieZahl der Aufrührer in Chur wuchs fortwährend, nnd nur mitMühe entging der venetianische Gesandte ihren Mißhandlungen.Fast alle bisherigen Leiter der drei Bünde entfernten sich theilsnach dem Veltlin, wo die Soldaten zum Gehorsam zurückgekehrtwaren, theils ganz außer Landes. Um so freier konnten nun dieSpanier schalten. Sie setzten es durch, daß alle 27 Gemeindendes Landes — mit Ausnahme der entfernten Misocco- nnd Münster-thäler — bewaffnet in Chur zusammentraten (April 1607). Eswar zugleich ein Aufstand des niedern Volkes, der Bauern undHirten, gegen den Adel und die Stadt Chur. Die Landesgemeindebeschloß nun, ganz im Sinne der spanischen Partei (19. April),in den Bündnissen sowohl mit den Venetianern als mit den Fran-zosen diejenigen Artikel, welche denselben den Durchzug durch ihrLand gestatteten, als „erpreßt, hinterlistig und korrupt" für un-