63
13 Schweizerkantone zur Beilegung der Streitigkeiten an denselbengeschickt hatten, der Zutritt geradezu untersagt wurde. Damit schienjede Brücke zu einem Vergleiche zwischen den Bündnern und ihrenfrühern Alliirten abgeschnitten zu sein; niemals hatten die dema-gogischen Führer in Graubünden so lebhafte Siegeszuversicht zurSchau getragen. Freilich hatten die kleinen katholischen Kantoneim Geheimen den Widerstand crmuthigt?)
Indeß allmählich kam dem im Grunde verständigen und gut-artigen, wenn auch selbstbewußten, stolzen und leicht erregbarenVolke die Besinnung zurück. Fnentes war entwaffnet und konntedeshalb weder seinen Anhänger» nützen noch seinen Gegnernschaden. Dagegen drohte den Bündnern der französische Agent,Pascal, auf Befehl seines Königs mit der Rache desselben undseiner Alliirten. Wirklich hatte Heinrich in einen: Schreiben andie Schweizer öffentlich seinen Unwillen über die bündnerischenZustände ausgesprochen, jenen herzlich für ihre Bemühungen inRhätien gedankt und seine eifrige Hülfe zur Stillung der dortigenUnruhen angeboten?) Die Schweizer beschlossen in der That allenErnstes, zwei Regimenter auszuheben und dieselben zur gewalt-samen Unterdrückung des rhätischen Tumultes nach Graubündenzu senden. Dazu kam die drohende Haltung, welche das durchVenedig völlig gewonnene Heer im Veltlin annahm.
Alle diese Erwägungen brachten in den Gemeinden einenjähen Umschlag der Stimmung hervor. Man bereute es, diealten, durch die Ueberlieferung geweihten Bündnisse verlassen zuhaben. Mit derselben Leidenschaftlichkeit, mit der man sich demGlauben hingegeben hatte, die Vornehmen hätten das Land andie Venetianer verkauft, überredete man sich jetzt, der Aufstand seivon dem Bischöfe von Chur und dessen Anhängern angestiftet
>) Dep. Fresnes' vom 13. Juni 1607, x>. 629.
2) Heinrich IV. an die Schweizer, ohne Datum, 1,. m. VII. 158; fälsch-lich unter Ende März 1607 gebracht, während es doch dem angegebenen In-halte nach frühestens Ende Juni fallen kann.