Band 
Dritter Theil.
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Zweites Kapitel.

Königs hatte Franz von Aerssen Ende Februar 1606 nach demHaag zu reisen und den Generalstaaten ohne Weiteres folgendesehr offenherzige Fragen vorzulegen:

Welchen Vortheil man dem Könige für eine unmittelbareBetheiligung an dem Kriege gegen Spanien zu gewähren gedenke?

Obenan ihm nicht die Souveränität über die Niederlandeanbieten und welche Sicherheit man ihm dafür geben wolle?

Unter welchen Bedingungen diese Uebertragung der Souve-ränität geschehen und welche Privilegien und Freiheiten die Nieder-länder sich wohl bewahren würden?

Wie viel Abgaben und wie viel Soldaten man dem neuenSouverän zu liefern beabsichtige? u. s. w.

Endlich: welchen Vortheil der Prinz Moritz verlangen würde,und wie man mit ihm verhandeln müsse?')

Diese Punkte ließen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig;zur Erklärung und Entschuldigung ist nur zu bedenken, daß infrüheren Jahrzehnten die aufständischen Niederländer in der Thatmehrmals die Herrschaft über ihr Land den Engländern und denFranzosen selbst angeboten hatten: dadurch war einigermaßen dieUngenirtheit veranlaßt, mit der hier Heinrich IV. die Unterjochungseiner Verbündeten in aller Freundschaft betrieb. Indeß, die Ver-hältnisse waren doch seit jener Zeit ganz andere geworden, und eswar ein großer, durch Mißachtung des Bürgerthums und derbürgerlichen Freiheitsidee veranlaßter Fehler des sonst so nüchternenund scharfblickenden französischen Königs, in Rücksicht auf jenefrüheren Vorgänge so brutal mit seinen eigentlichen Wünschen inBetreff Holland's hervorzutreten.

Die Generalstaaten waren begreiflicher Weise „sehr perplex"— wie Moritz von Oranien an seinen Vetter Wilhelm Ludwigschrieb — über diese plötzlichen Forderungen des französischenMonarchen. In den letzten beiden Jahrzehnten hatten die Hol-

van Vr. Aerssen (24. Febr. 1606), das. 71 s.