Band 
Dritter Theil.
Seite
104
JPEG-Download
 

104

Zweites Kapitel.

er ihm ohne Umschweife, baß der König und er — Lerma — denStillstand in der Form, in welcher er abgeschlossen sei, für nach-theilig (pwi-juckioinl) für Se. Majestät und deren Staaten hielten.Albert war bekümmert und gekränkt zugleich über diese Vorwürfeund antwortete dem Minister durch Entwickelung der bittern Noth-wendigkeit, die ihn zu dem Abschlüsse des Stillstandes genöthigthabe. Um Philipp geneigter zur Erfüllung der Forderung derGeneralstaaten, daß bis zum September die königliche Ratifikationdes Waffenstillstandes eintreffen müsse, zu stimmen, sandte er denFranziskaner Neyen nach Madrid. In Anbetracht des offenbarenguten Willens des Erzherzogs willigten die Staaten, deren Flottesoeben bei Gibraltar einen glänzenden Sieg über die Spanier da-von getragen hatte, wirklich ein, sofort nach Ankunft der gewünschtenRatifikation auch die Feindseligkeiten zur See einzustellen. Bisdahin ruhten freilich die Unterhandlungen gänzlich (1. Juni 1607)0)

Noch ehe Neyen in Spanien angelangt, war hier an Stelleder ursprünglichen Aufregung ruhigere Besinnung getreten. Diefurchtbare Niederlage bei Gibraltar hatte den spanischen Stolzeinigermaßen abgekühlt. Man entschloß sich also in Madrid zueinem mittlern Verfahren; den Waffenstillstand erkannte man an,ohne aber das Zugeständniß der Souveränität an die Holländerzu billigen. Selbstverständlich hütete man sich, dasselbe geradezuund ausdrücklich zu verwerfen; aber der König ging in dem Rati-fikationsinstrumente über diese Frage mit völligem Stillschweigenhinweg. Ein solches unaufrichtiges Verfahren von Seiten derspanischen Regierung hätte unter allen Umständen wenig Aus-sicht auf Erfolg bei den Holländern gehabt, die vielmehr fest ent-schlossen waren, nur auf Grund der vollkommenen Anerkennungihrer Souveränität durch den König von Spanien Frieden zuschließen; aber die Spanier hatten auch, von ihrer Eitelkeit und

0 Dep. Eornwallis' v. ^ Mai; ^Vn»v. Nem. II, 307. — Labrer-r,Nelaaion äe la- cosss sucecliäLS en Is Lorte äe Lspalia, 12. Mai, p. 305.— Erzh. Albert an Lerma, 19. 31. Mai, 5. Juni, p. 49 ff., 52 ff, 58.