245
erfüllt, nichts destowcniger im letzten Augenblicke in allem nach-gegeben. Konnten sie sich wundern, daß man überall, nicht nurin Frankreich,') der festen Meinung war, diese schnelle Sinnes-änderung sei lediglich ein Zeichen der Schwäche, der Geringfügig-keit der kriegerischen Mittel in Spanien, der Unmöglichkeit, in dersich dieses befinde, einen ernsten Kamps zu führen? So brachteder niederländische Friede, hauptsächlich durch die Schuld der Spanierselbst, diesen keine Stärkung, sondern eine Minderung ihres An-sehens durch ganz Europa. — Deshalb suchten die spanischenGesandten an den fremden Höfen auch im Beginne die Nachrichtvon dem Sinneswechsel in Madrid so lange geheim zu haltenwie möglich; in Nom war er während der ersten Hälfte des März— also nach sechs Wochen — nur in der Form eines dunklenGerüchtes bekannt, das Niemand glauben wollte. Breves mußtesogar dem Papste erst die Wahrheit dieser Kunde zusichern.
In Spanien selbst war die Masse des Volkes, die sich vorallem nach Ruhe, Verminderung der Steuern, Aufblühen derHandels- und Gewerbthätigkeit sehnte, trotz der wenig ehrenvollenBedingungen zufrieden mit der Beendigung des langen lästigenKampfes. Aber die politisch unterrichteten und denkenden Kreisestanden fast ausnahmslos auf Seiten der Kriegspartei und nahmendie Nachgiebigkeit ihrer Regierung nur mit tiefem Unwillen auf. »Die Gegner Lerma's am spanischen Hose, vor allen der Condestablevon Kastilien, beschuldigten jenen ganz laut und öffentlich, ausbesondern Interessen dem Dienste des Katholischen Königs Schandeund unwiederbringlichen Schaden zugefügt zu haben. Dem Fremdengegenüber wußte der kastilische Stolz nicht mehr, zu welchem Ent-schuldignngsgrunde für jene Schwäche greisen. Freilich war allerWelt nur zu bekannt, daß jene Nachgiebigkeit dein madrider
>) >18. Pccqmuö an Practz, 5. März (Wien, H. H. u. St.-A. v.c. 190.)