Band 
Dritter Theil.
Seite
319
JPEG-Download
 

Die französische Partei in Europa.

319

zu überlassen. Es kam nur darauf an, wer unter den Mitgliederndesselben der Frankreich genehmste römische König sein würde.Die Spanier begünstigten schon feit dem Jahre 1600 vor allenden Erzherzog Albert, den Statthalter Belgien's, da derselbe durchsein Amt so wie durch seine Ehe mit der Schwester Philipp's III.ganz der spanischen Politik verpflichtet erschien. Aus diesem seldönGrunde widerstrebten seiner Erhebung natürlich die protestantischenReichsfürsten und der französische König. Die Ersteren wurden nichtmüde, Heinrich zu energischer Gegenwirkung wider die BewerbungAlberts in französischem sowohl wie in dentschprotestantischcm In-teresse zu ermahmen, zumal da Kurköln schon völlig für jenenPlan gewonnen sei und man sich alle Mühe gebe, auch die Unter-stützung des englischen Herrschers für denselben zu erlangen.')Wirklich wäre es für Heinrich höchst unangenehm gewesen, wennein spanischer Beamter Kaiser von Deutschland geworden wäre.Er sagte deßhalb durch einen außerordentlichen Gesandten, Mont-gelat, den deutschen Protestanten Unterstützung gegen die spanischenPläne zu (März 1606). Als im folgenden Juli in Aufträgendes Kurfürsten von der Pfalz der Fürst Christian von Anhalt,einer der unruhigsten und abenteuerlichsten, aber auch begabtestenund thatkräftigsten unter den damaligen Führern der deutschenProtestanten, in Paris anlangte, kam man überein, damit nur dieErhebung des Erzherzogs Albert vermieden werde, die Absicht aufErwählung des Herzogs von Baiern völlig aufzugeben und diegemeinsamen Bemühungen auf ein milder gesinntes Mitglied desHauses Oesterreich zu richten. Wie Albert sei auch der noch weitzelotischere Ferdinand von Steier — wie richtig beurtheilte manhier den spätern Kaiser Ferdinand II.! — zu bekämpfen. Niel-mehr müsse man von des Kaisers Brudern entweder den ältern,Matthias, gegen welchen der französische Monarch schon früher nichtviel einzuwenden gefunden halteH) oder den jüugern, Maximilian

0 Br. u. A. I. 228. 299. 460. 464. 469.

") Br. u. A. I. 253. 255.