Band 
Dritter Theil.
Seite
379
JPEG-Download
 

Der Micher (rrbselgestreit.

379

Novara uns Alessandria vor, deren Befestigungen überdies nochnicht wieder ausgebessert seien; um die Ucberraschung gelingen zumachen, müsse man sie alle zugleich anfallen, wozu mindestens35,000 Mann und 40 Kanonen mit 40—50,000 Schuß nöthigseien. —

So bewegte Karl Emanuel sich wieder in Extremen, die weitüber die Wirklichkeit hinausgingen, denn einstweilen war von der»Möglichkeit venctianischer Mitwirkung nicht die Rede. Die schönstenBilder gefahrloser Vergrößerung ihres Staates ließ Heinrich vorden Augen der bedächtigen Exzellenzen von Venedig erschimmern.Vergebens. Auch Genua suchte er, anstatt durch einen Angriff,vielmehr aus dem sichrem Wege friedlicher Verhandlungen zu ge-'wiunen. Aber diese Republik war zu innig durch politische undGeldinteresscn mit Spanien verbunden, als daß seine Bestrebungenin dieser Beziehung irgend einen Erfolg hätten haben können.')

Dagegen erhielt Heinrich von ganz nnvermutheter Stelle,von Rom, aus eine Aufmunterung, die Heirathsverhandlungeumit Savoyen zu einem günstigen Abschlüsse zu führen.-) Umdiese Förderung eines so direkt gegen die habsburgischen Interessengerichteten Planes von Seiten des heil. Stuhles zu verstehen,müssen wir drei Umstände in Betracht ziehen. Erstens wußteman in Rom nichts von den kriegerischen Entwürfen, die sich anjene Vermählungsprojckte knüpften. In der That verfuhren diefranzösischen und savoyischcn Diplomaten mit großer Geschicklichkcit.Ganz verheimlichen ließen sich ja jene Verhandlungen nicht, undso theilten sie dieselben in anscheinender Offenheit dem spanischenund dem päpstlichen Gesandten in Paris, sowie Seiner Heiligkeitselbst mit, aber unter dem Vorgeben, daß es sich dabei nur umMitgifts- und Geldfragen handele. Herr v. Jacob ging hierbeidem Don Jliigo dc Cardcnas gegenüber in eine Unmasse von

0 Dcp. Foocanin s v. 2. 12. Aug. ?. 311 N. — Dgl. 8iri, Ucm. rec. II.2) Dep. Brcvcs' v. 19. Aug.; Nerrcns a. a. O. 227.