Band 
Dritter Theil.
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Viertes Kapitel.

vermuthet hatte. Die Unirten waren offenbar überzeugt, daß nurdes Königs eigenes Interesse, nicht aber das ihre, Heinrich aufihre Seite geführt hatte: und so waren sie auch nicht zu demgeringsten Gegenopfer für die französischen Wünsche bereit. DerKönig gab Boissise einen strengen Verweis, daß dieser nicht dafürgesorgt habe, in den Vertrag von Schwäbisch-Hall einen Artikelzu bringen, durch welchen sich die Unirten zur Unterstützung desKönigs und — nach dessen Tode — des Dauphins gegen einenetwaigen Aufstand der Hugenotten verpflichteten. Bekanntlich sprachman ja von einer Verbindung zwischen den Hugenotten und demPrinzen von Conde wider die Nachfolge des Dauphin. Nicht ehersolle nun Boissise die königliche Ratifikation des Vertrages vonSchwäbisch-Hall den Unirten überliefern, als bis diese die gewünschte„Asfekuration" in bindender Form abgegeben hätten. Doch dessenweigerten auf einer Zusammenkunft in Heidelberg die süddeutschenUnirten sich entschieden: „lieber wollten sie die klevesche Sache ganzliegen lassen, als eine solche Versicherung geben"; obwohl sie be-theuerten, der König werde sich über ihr Betragen niemals zubeschweren haben (März 1610). Es ist klar, daß sie sich nichtdem Dauphin gegenüber die Hände binden wollten, da sie natür-lich über dessen künftige Gesinnung gegen die Hugenotten und dieEvangelischen überhaupt kein Urtheil haben konnten. Heinrich warzuerst über diese „alberne und boshafte" Zurückweisung auf dashöchste aufgebracht; allein schließlich, da die Zeit drängte und erbegieriger war loszuschlagen, als die Unirten selbst, mußte er sichmit einer Erklärung aus Ehrenwort zufrieden geben, welche derKurfürst von der Pfalz im Namen der Union schriftlich ertheilte,daß der König nie Grund zur Beschwerde über sie haben solle unddeshalb einer solchen vertragsmäßigen Verpflichtung nicht bedürfe.— Aber auch nach Beilegung dieses Streites zeigten die Possi-direndeu und die Unirten eine solche Langsamkeit und Unentschiedeu-heit in ihren militärischen Maßnahmen, daß Heinrich seinen größtenUnwillen darüber aussprach und Anhalt bei dessen letztem Aufent-