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ihre hauptsächliche Absicht, daS von den andern Geschichtschreibern verläumdeteAndenken „des großen Meiden" Heinrich zu retten d. h. vorzüglich das Andenkenseines angeblich vertrautesten Helfers und Freundes Sully. Wir haben gesehen,wie kühn der letztere in der Verfolgung dieses Zweckes ist, wie er die keckstenUnwahrheiten nicht scheut, um sich als den Hauptleiter von Unternehmungenhinzustellen, die theils gar nicht stattgefunden haben, theils nicht oder nur insehr untergeordneter Weise von ihm betrieben worden sind; und diese Beispieleließen sich vielfach vermehren. Nun begreifen wir auch, weshalb Sully anstattseiner eigenen Person die „Sekretäre" als Erzähler auftreten läßt. Diese ent-stellende, ja hier und da ganz widersinnige Umkleidung — wenn z. B. dieSekretäre ihren, Herrn Unterredungen erzählen, wo nur dieser und der Königselbst zugegen waren — trägt erstens zu dem vornehm olympischen Halbdunkel,dem Scheine des Außerordentlichen, noch nie Dagewesenen und Geheiinnißvollenbei, womit Sully sein Werk zn umhüllen suchte; wie er denn dasselbe, das aufseinem Schlosse gedruckt war, von der mythischen Offizin des Alethinosgraphvon Kleantimele und Graphexekon von Pistariste herausgeben läßt. Und zweitenskonnte er durch den Mund seiner Sekretäre vieles sprechen — an Lob für sich,Tadel für andere und Zweifel,/asten Behauptungen — was er selbst zu sagendoch einigermaßen Scheu trug.
Aus diesem Gesichtspunkte: der maßlosen Verherrlichung Heinrich's IV.und seiner selbst, ist auch bei Sully der „große Plan" hervorgegangen, andessen Entwurf und weitern Spezialisrrung er so bedeutenden Antheil gehabthaben will.
Wir vermögen aber auch noch die Quelle zu erkennen, aus welcher er dieIdee zum „großen Plane" geschöpft hat. Es ist Aubigne, dem er ja schondie Erzählung vom Tode Heinrich's III. entlehnte, um sie freilich gleichfallszu seinen Gunsten auszuschmücken.
Im Jahre 1620 erschienen „der Appendix oder Korollaricn zn der Geschichtedes Herrn v. Aubignö," von diesem selbst verfaßt. Aubigne befand sich damalsin einer ähnlichen Lage wie Sullv. Er hatte sich mit dem Hofe entschiedenüberwerfen, er hatte beschlossen Frankreich, wo er sich unsicher fühlte, zu ver-lassen, und wollte nur noch an der Verschwörung der Prinzen gegen Luyncstheilnehmcn, um einen letzten Versuch zum Umstürze des damaligen Regimenteszu machen. Auch ihm kam es als Schriftsteller nur darauf an, seinen ehemaligenHerrn — Heinrich IV. — und mit diesem sich selbst in glänzenden Gegensatzzu der gegenwärtigen Regierung zu stellen. Schon in seinen Memoiren (eä.Ualanne, Paris 1854, p. 107 u.) spricht er von des Königs „großem Plan",der hier jedoch nichts als den allseitigen Krieg gegen Spanien umfaßt. Indem „Appendix" aber wird dieser „große Plan" weiter ausgedehnt. DerHerzog v. Savoycn, der Marschall Lesdiguieres und Villeroy hätten dem Königegerathen, Mailand anzugreifen; Prinz Moritz und Sully hätten ihm vorge-schlagen, mit den Holländern gemeinsam dem Erzherzoge Flandern wegzunehmen.Der König aber beschloß, ohne Vortheil für sich alle von Spanien Unter-drückten zu befreien. Eine Armee unter Lesdiguieres sollte in Gemeinschaftmit dem Herzoge von Savoycn und den Venctiancrn Italien erobern; derGrotzherzog von Toskana sollte dann Port-Ercole und Orbitello bekommen,