Band 
Dritter Theil.
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Viel :u milde scheint uns noch das Urtheil, welches Ritter (S. 53) überdie Sully'schen Memoiren fallt: „Sully schrieb sie zu einer Zeit, da sein Geistvon politischen Idealen gehoben, von historischen und Politischen Einzelkcnnt-nissen überfüllt, sein Urtheil und Gedächtniß aber von der Schwäche des Altersgetrübt waren. Indem er versuchte, die Zustände und Begebenheiten einervergangenen Zeit den Zwecken unterzuordnen, die er selber erfunden hatte, floßihm das Einzelne und Allgemeine immer wieder auseinander." Hiermit wärenoch nicht erklärt, weshalb Snlly sich von seinen, wahren oder angeblichen,Sekretären fortwährend mit abgeschmackten und übertriebenen Lobsprüchen über-häufen läßt, alle ausgezeichneten Schriftsteller und Staatsmänner aber, die mitihm in Berührung gekommen sind, angreift und verhöhnt.

Vielmehr scheint sich uns Folgendes als Veranlassung und Zweck deszweifellos zwischen 1635 und 1638 redigirten, in letzterem Jahre zum erstenMale veröffentlichten Buches zu ergeben.

Sully war seit dem Tode seines großen Gönners, Heinrich's IV., nichtnur in Ungnade bei den regierenden Persönlichkeiten, sondern er war auch, wasihn sicherlich noch mehr kränkte, allmählich ganz in Vergessenheit gerathen. Erlebte zurückgezogen auf seinen Schlössern Villebon und Sully, wo er sich, umsich über seine Vernachlässigung seitens des Hofes zu trösten, mit königlichemPompe, Leibgarden, Schweizern unv dergl. umgab; selten kam er einmal nachParis fDallemant ckes Ueaux, Mob. et kauf. II, III Lpp. p. III). In dieserunfreiwilligen Muße verfaßte er die Oecouomles roMes, in denen sich dem-gemäß sowohl die Bitterkeit seiner Gefühle als auch Las Streben kundgiebt,sein eigenes Werk sowie die Thaten seines königlichen Freundes auf Kostender gegenwärtigen Regierung Frankreichs hervorzuheben. Aus den Empfindungendes Schmerzes über die ihm gewordene Zurücksetzung gingen die Rachsucht unddie Lust an Verläumdung hervor, mit denen er gegen alle wüthete, die sichlänger in der Gunst, sei es des Hofes, sei es einer Partei, zu erhalten wußten;wie Bazin sLIicli. et kauf. II, II. Xotice p. XV) sagt: „Hugenotten und Jesuiten,Katholiken und Politiker, Epernon wie Du Plessis-Mornay, LeSdiguieres wieder Graf v. Auvergne, Freunde, Feinde, Verwandte, Maitressen, Kollegen oderVorgänger im Ministerium, alles ist schuldig oder verdächtig, alles erfährt einegrausame Censur." Ich will hier nur auf die Feindschaft und die Verläum-dungen aufmerksam machen, mit denen cr Jeannin, Bouillon, den edlen Forgetde Fresnes, Du Plessis und Villeroy unausgesetzt verfolgte. Besonders Villeroy,den er als den Urheber seines Sturzes angesehen haben mag, beschimpft er ausdie lügnerischste Weise als einen elenden Schwachkopf und treulosen Verräther;nicht nur an der schon oben bemerkten Stelle, sondern auch in den Observatioussur les lUemoires äe Villei-ox sketitot II, IX 117 kk.; IX 263 nennt er Villeroyund Sillery Impertinenz et rickicules!) Du Plessis hat schon einen zeitgenössigenlebhaften, ja leidenschaftlichen Vertheidiger in seinem Sekretär Marbault ge-funden. — Andrerseits sucht Sully sich selbst und Heinrich IV. in möglichstvortheilhaftem Lichte darzustellen, im Gegensatz besonders zu der RegierungMariens, die seinen Sturz herbeigeführt hatte. Die Sekretäre Sullv's gestehendiese beiden Zwecke selbst ein. Bald sagen sie, sie schrieben unter der Eingebungcku clepit et äe In colere; bald, an unzähligen Stellen, heben sie hervor, es sei