Buch 
Zum "Mechanismus der Gebirgsbildung" / Albert Heim
Seite
265
JPEG-Download
 

265

tigen Maasse auflösen Hessen. Fast überall, wo in der Geologiegerechnet worden ist, waren die Prämissen wenigstens ganzunzureichend bekannt, meistens ganz unvollständig, häufiggrundfalsch; die Rechnung aber imponirt als solche. Vielegeben sich in derselben, überwältigt vom Gefühl des» Exacten,gefangen, und das Resultat wird angenommen, und wiedercitirt in der Meinung, es handle sich hier um etwas Unantast-bares. Die Unantastbarkeit liegt aber blos darin, dass einerzu kleinen Zahl die Methode, auf der es gewonnen worden,zugänglich ist. Man kann eine gewaltige Rechnung über dieKräfte zur Biegung der Schichten ausführen, und darin dieinnere Reibung, die in ihrer Grösse unbekannt und ungemessen,aber jedenfalls enorm gross ist, einfach weglassen, — inankann eine von tausend Stimmen nachgesprochene Rechnungüber die Dicke der „festen“ Erdrinde anstellen auf Grund desStosses, den Fluth und Ebbe eines supponirten flüssigen Erd-kernes auf die Rinde ausüben müssen, ohne zu bedenken, dassdie feste Rinde selbst wahrscheinlich eine solche schwache Be-wegung aus übt und dadurch den Stoss mildert, und dass zwi-schen den beweglicheu und „starren“ Theilen eine breite Zonenur halbflüssiger Massen liegt, wo ein grosser Theil der Be-wegung in innerer Reibung aufgezehrt wird, die man eben nichtin Rechnung ziehen kann (H. II. 242). Täuschung für dieRechner wie für die Wissenschaft selbst ist das Resultatdavon, aber keine Vermehrung unserer Erkenntniss. Gewisswird einst eine Zeit kommen, wo auch die Geologie an ihreProbleme mit Rechnung herantreten kann. Niemand kann sichdarauf mehr freuen als ich selbst; allein wir werden diese Zeitnicht mehr erleben. Es ist eben leider nicht zutreffend, wennPfaff in seiner Vorrede sagt, dass wir „die physikalischenund chemischen Kräfte, welche noch jetzt auf der Erde wir-ken , genau kennen“; wir kennen sie direct nur in engenGrenzen der begleitenden Umstände, während die versuchtenRechnungen weit über diese Grenzen hinausgreifen.

Wenn ich Ansichten anderer bekämpfen muss, will ichstets offen deren Träger nennen. Es giebt im Kampfe gegeneine andere wissenschaftliche Anschauungsweise sehr unrich-tige, ich möchte sagen rechtlose Mittel, die leider sehr imGebrauch sind. Dahin gehört vor Allen das einfache Nicht-eintreten auf die Begründung des Gegners und ungenauesStudium seiner Arbeiten, ferner das Einrennen offener Thüren,welches wie Sieg klingt, und die Behandlung von thatsäch-lichen Beobachtungen des Gegners wie wenn es Hypothesenoder Theorieen desselben wären. Möchte es mir gelingen,mich selbst von solchem Verfahren fernzuhalten!